Donnerstag, 04. März 2021, 13:44 Uhr
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Ist ein Gefangenenabkommen im Gange?

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Die Türkei hält einen hochrangigen iranischen Geheimdienstoffizier bei seiner Ankunft im Land fest.

ausgeliefert Der iranische Geheimdienstoffizier Mohammad Reza Nasirzadeh Noshahr am 8. Februar mit einem Diplomatenpass in die Türkei einreiste, wurde bei der Landung auf dem Flughafen in Istanbul festgenommen. Die türkischen Behörden unternahmen diesen Schritt basierend auf Informationen, die im Rahmen der Untersuchung an dem Mordes an Masoud Molavi durchgeführt wurden - einem iranischen Hacker, der in der Vergangenheit für die iranischen Sicherheitsbehörden arbeitete, jedoch im November 2019 geheime Informationen an die Türkei weiterleitete. Noshahr wurde zu einer Untersuchungshaft vor einen Richter gebracht und wird derzeit befragt.

Bis vor kurzem war Noshahr in der Iranischen Geheimdienststation in der Türkei tätig, das unter dem diplomatischen Deckmantel der dortigen iranischen Botschaft operiert. Er wurde wegen des Verdachts festgenommen, Naji Sharifi Zindashti, einem iranischen Staatsbürger mit türkischer Staatsbürgerschaft, der einen großen kriminelle Ring in der Türkei leitet und der für seine Verbindungen mit dem Iranischen Ministerium für Nachrichtenwesen bekannt ist, den Befehl zur Ermordung von Molavi erteilt zu haben. Zindashti wird in der Türkei wegen seiner Beteiligung an einer Reihe von Attentaten und gewalttätigen Vorfällen gesucht, die dem iranischen Geheimdienst zugeschrieben werden, darunter die Ermordung von Saeed Karimian, einem iranischen Dissidenten, der als General Direktor eines beliebten iranischen Fernsehsenders in der Türkei fungierte und die Entführung von Habib Farajallah Sha'ab im Oktober 2020, einem hochrangigen Mitglied des Oppositionsgremiums - der nationalen Ahvaz-Befreiungsbewegung.

Sofort nach der Festnahme von Noshahr, begannen hochrangige iranische Beamte, ihren Kollegen in Ankara Ouvertüren zu machen, in der Hoffnung, Verhandlungen über seine baldige Freilassung in Gang zusetzen. Teheran will die sofortige Freilassung von Noshahr erreichen, da sie vor allem befürchtet, dass sich eine ähnliche Situation wie in Brüssel wiederholen könnte: Anfang Februar dieses Jahres wurde in Brüssel ein Mitarbeiter des Iranischem Ministerium für Nachrichtenwesen Asadollah Asadi wegen seiner Beteiligung an dem Angriffsversuch auf der MEK-Konferenz in Paris im Juni 2018 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Es wurden mehrere Vorschläge für einen eventuellen Gefangenenaustausch gemacht, basierend auf dem Wunsch der Türkei, Zindashti (der Berichten zufolge in der Vergangenheit im Iran Zuflucht gesucht hatte) auszuliefern. Die Türkei versteht, dass auch der Iran der Ansicht ist, dass die Auslieferung von Zindashti ein erheblicher Preis ist. Iran erwägt es deshalb ernsthaft, da sein Name schon öffentlich mit der Tätigkeit des Iranianischem Nachrichtenwesen in Verbindung gebracht wurde, wie die Zeitschrift Washington Post berichtete. Ankara ist trotzdem immer noch besorgt über eine mögliche Eskalation der Situation, sollte Teheran beschließen, türkische Bürger innerhalb seiner Grenzen zu entführen.

Die Inhaftierung von Mohammad Reza Nasirzadeh Noshahr fand ausserdem zu einem äußerst empfindlichen Zeitpunkt statt, während eines Besuchs des MIT-Direktors Hakan Fidan.

Es sind heikle Zeiten in dieser komplexen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die Zeitschrift Foreign Policy berichtete vor einigen Tagen, dass die Türkei seit 2019 Dutzende von in der Türkei lebenden Iranern ausgeliefert hat, die verdächtigt waren, an Demonstrationen im Iran beteiligt gewesen zu sein, als Geste des guten Willens. Dem Bericht zufolge haben Rouhani und Erdogan am Rande des Gipfeltreffens in Malaysia im Jahr 2019 eine geheime Vereinbarung zur Freilassung von Gefangenen getroffen. Seitdem jedoch begannen sich Spannungen zwischen den beiden Ländern aufzubauen, hauptsächlich aufgrund der iranischen Geheimdienstaktivitäten in der Türkei. Im Dezember 2020 allein wurden circa 12 Personen wegen Beteiligung an der Entführung von Sha'ab inhaftiert. Die Ermittlung der türkischen Behörden auf das Attentat auf Molavi sind noch nicht abgeschlossen.

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