Samstag, 24. November 2018, 09:16 Uhr
Fitness

Fitness im Wandel der Zeit

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Die Geschichte der Massen-Bewegung

Bad Zwischenahn Wer glaubt, die Fitnessbewegung habe erst mit Jane Fonda und ihrer Aerobic begonnen, der irrt gewaltig. In Deutschland war es „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, der um 1810 in Berlin erstmals zum öffentlichen Turnen geladen hatte. Ziel war es, eine körperlich durchtrainierte Bürgerwehr mit jungen Männern auszustatten, um Napoleon aus dem von ihm besetzten Preußen zu vertreiben.

Seitdem hat sich im Bereich Fitness eine Menge getan, wie man auf Insider-Blogs wie afit.de unschwer erkennen kann. Wir wollen die verschiedenen Stationen der kollektiven Volksertüchtigung mal etwas genauer unter die Lupe nehmen und begeben uns auf eine Reise von den Turnvereinen des Kleinbürgertums über die erste Fitness-Welle Anfang der 1980er Jahre hin zu den Mega-Fitness-Ketten der Neuzeit.




Die Geburtsstunde des ersten Fitness-Studios

Die ersten Sportvereine, wie wir sie heute kennen, wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Dem lag damals allerdings noch eine starke politische Motivation zugrunde, deren Ausrichtung der Obrigkeit ein Dorn im Auge war, weswegen nach und nach die meisten Jahnschen Turnvereine verboten wurden. Das ebnete den ersten kommerziellen Betreibern ein weites Feld, die um 1820 in einigen Städten gewerbliche Einrichtungen eröffneten, in denen sich das Bürgertum körperlich fit halten konnte. Die ersten Fitness-Studios waren geboren.




Der Turnverein als Exportschlager

Emigranten brachten das Konzept der gemeinschaftlich organisierten Turn- und Sportvereine in die Vereinigten Staaten, wo Mitte des 19. Jahrhunderts in Städten wie Boston, New York oder Philadelphia die ersten Turnvereine deutscher Machart entstanden, sich zunächst aber noch gegen die Clubs englischen Vorbilds durchsetzen mussten, die einen eher kommerziellen Ansatz verfolgten.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen um 1900 verhalf der sportlichen Bewegung zu einem Aufschwung. Sport und körperliche Fitness war mittlerweile in allen Gesellschaftsschichten akzeptiert, wobei sich die Arbeiterklasse und das Kleinbürgertum eher in den klassischen Turnvereinen verausgabten, während die oberen Schichten sich vornehmlich bei den gewerblichen Anbietern fit hielten.




Fitness-Ketten kein Phänomen der Neuzeit

Wer heute einen Fitness-Tempel einer der zahlreichen Ketten betritt, kann sich vermutlich nur schlecht vorstellen, dass das eigentlich ein alter Hut ist. Schon vor hundert Jahren betrieb der Franzose Edmont Desbonnet bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Vielzahl von Einrichtungen zur Körperertüchtigung. Auch das Überangebot an Fitness-Ratgebern und Kursangeboten ist kein Phänomen der Neuzeit und wurde bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts festgestellt. Damals war es der Däne J.P. Müller, der das Werk „My System“ vertrieb, in dem er 15 Minuten täglichen Trainings propagierte. Einer seiner berühmtesten Anhänger war der Schriftsteller Franz Kafka.




Krieg ist schlecht für die Fitness

Der Zweite Weltkrieg war schuld daran, dass die Entwicklung der Fitness-Bewegung in Deutschland und den USA deutlich auseinanderging. Während man in Deutschland andere Sorgen hatte, konnten sich die Vereinigten Staaten ungestört zur Weltmacht in Sachen Sport und Fitness mausern. Selbst nach dem Krieg in den 50er und 60er Jahren, die in Deutschland vor allem durch den wirtschaftlichen Aufschwung gekennzeichnet waren, trieb es die Menschen nicht mehr durch die Türen gewerblicher Fitness-Tempel. Für die große Mehrheit der Deutschen stand die körperliche Gesundheit und die Fitness einfach nicht mehr im Mittelpunkt. Das änderte sich erst Anfang der 70er Jahren, als eine neue Fitness-Welle über den Atlantik schwappte.




Schwarzenegger und Fonda läuteten die Neuzeit ein

Es waren maßgeblich Arnold Schwarzenegger und Jane Fonda, die auf der ganzen Welt für eine neue Fitness-Welle gesorgt hatten. Der Österreicher, der schon in den Jahrzehnten zuvor als Bodybuilder erfolgreich und 1968 zum Mister Universum gekürt worden war, wurde durch Rollen in einer Reihe von Filmen weltberühmt und gilt seitdem noch heute als eine der prägenden Figuren der internationalen Fitness-Szene.

Jane Fonda verhalf Angang der 80er Jahre mit der Veröffentlichung ihres ersten Fitness-Videos einer ganzen Sportart auf die Beine: Aerobic war geboren und sprach zum ersten Mal auch ganz gezielt Frauen an. Diese nahmen das Angebot dankbar an, was unter anderem zu dem modernen Kurssystem führte, das wir heute kennen. Es war vor allem der tänzerische und gemeinschaftliche Aspekt, der bei den Damen gut ankam und der so gar nichts mit den langweiligen Übungen an Geräten zu tun hatte.




Es war dieselbe Zeit, in der Volksläufe und Angebote für Ausdauersportarten wie Pilze aus dem Boden schossen. Es entstanden die ersten Großanlagen, die teilweise sogar Schwimmeinrichtungen beinhalteten und sich damals an ein eher gehobenes Publikum wandten, das sich die teilweise noch exorbitanten Preise auch leisten konnte.




Heute diktiert vor allem der Preis

Den am deutlichsten wahrnehmbaren Trend des noch jungen 21. Jahrhunderts stellt die Entwicklung des Discountsegmentes in der Fitnessindustrie dar. Mit Ketten wie McFit, mit rund 1 Millionen Mitgliedern der Marktführer in Deutschland, hat sich Billigsegment etabliert, das sich vor allem auf die Bereitstellung von Geräten für Ausdauer- und Krafttraining konzentriert und dafür oft deutlich wenige als 20 Euro pro Monat von seinen Mitgliedern kassiert.

Für die Zukunft ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich dieses Wachstum dauerhaft fortsetzen wird. Vielmehr wird sich Discount-Fitness mit einem gewissen Marktanteil etablieren, andere Anbieter aber damit dauerhaft zwingen sich selbst über ihre Leistungen zu definieren, da sie den Wettbewerb kaum über den Preis gewinnen können.

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