Freitag, 09. November 2018, 08:13 Uhr
Stahldraht

Wie ein Zufall die Erfindung des Stahldrahts erst möglich machte

71
0
 

Ohne die Entdeckung eines Altenaers Reidemeisters gäbe es keinen Eiffelturm

Bad Zwischenahn Stahl hat seinen festen Platz in der Geschichte der Menschheit. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der erste einfache Stahl bereits 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung hergestellt wurde. Von da an dauerte es gute 2600 Jahre, bis der deutsche Reidemeister Johann Gerdes im Städtchen Altena eine bahnbrechende Entdeckung machte, als es ihm gelang, Stahl zu Draht zu verarbeiten.




Der erste Versuch ging ins Klo - buchstäblich

Gerdes erhielt von einem fahrenden Händler aus dem Bergischen einige Ringe mit Walzstahl. Der Händler behauptete, dass er weder zu weich noch zu spröde sei und sich daher hervorragend verarbeiten ließ. Doch so sehr sich der Reidemeister, wie Produzenten im Metallgewerbe im vorindustriellen Zeitalter genannt wurden, auch anstrengte, er bekam den Werkstoff beim besten Willen nicht durch das Zieheisen gequält. Entnervt und wütend auf das neumodische Zeug warf er die Ringe mit dem Walzstahl hinter die Werkstatt, wo sich die Drahtzieher regelmäßig erleichterten.




Wie Phoenix aus der... Kloake

Wochenlang lagen die Stahlringe in dem stinkenden und beizenden Morast aus Urin und Schlamm. Als sich Reidemeister Gerdes aber ein neues Zieheisen einrichtete, wollte er dem neuen Material eine zweite Chance geben. Er legte einen der Ringe auf die Ziehbank, spitzte das Ende an und fädelte es in das neue Zieheisen ein. Wie durch ein Wunder ließ sich der Stahl dieses Mal ohne Probleme ziehen. Es gelang ihm, den Stahldraht dünner und dünner zu ziehen und war von dessen Eigenschaften begeistert. Er ließ sich gut härten und eignete sich hervorragend für die Herstellung von Nadeln und Kratzendraht, einem Werkzeug, das bis heute zum Aufrauen von Geweben aus Wolle und Baumwolle verwendet wird.




Gerdes kam zu dem Schluss, dass der Urin eine entscheidende Rolle bei der Geschmeidigkeit des Stahldrahtes gehabt haben muss und ließ seine Drahtzieher fortan ihre Notdurft in einen Bottich verrichten. In diesen Bottich legte er den starren Walzdraht, der nach Tagen von einem blauen Belag überzogen war. Der Reidemeister bemerkte, dass sich dieser Belag gut lösen ließ, indem man den Walzdraht mit Wucht auf den Boden warf. Danach war der Draht so weich, dass man ihn bequem ziehen konnte.




Es ist also dem Zufall und dem Wutausbruch eines Altenaer Reidemeisters zu verdanken, dass die Verarbeitung von Stahldraht für uns heute keine Probleme mehr darstellt und sogar gigantische Bauwerke wie der Pariser Eiffelturm entstehen konnten.

Leserkommentare (0)

Melden Sie sich bitte an um einen Kommentar abzugeben.
Passwort vergessen

Artikel schreiben



Bitte warten...
Schon registriert?
Melden Sie sich hier an! Passwort vergessen Anmelden
Noch nicht mit dabei?
Registrieren Sie sich hier! Registrieren

Feedback

Sie haben einen Fehler entdeckt oder einen Verbesserungsvorschlag? Schreiben Sie uns!

Suchen in der N@chbarschaft

Die Autorin