Sonntag, 17. Februar 2019, 18:04 Uhr
KLARE KANTE

Stellungnahme zum modernen Sportzentrum

891
1
 
Artikel von

Die KLARE KANTE - Wählergemeinschaft für Varel und Friesland nimmt Stellung zum geplanten modernen Sportzentrum in Varel.

Varel / Rastede / Oldenburg Wenn es nach den Plänen der Mehrheitsgruppe im Vareler Stadtrat geht, soll es in den nächsten Jahren eine rege Bautätigkeit geben. Ein großes modernes Sportzentrum soll es sein – mit der Möglichkeit, alle gängigen und beliebten Sportarten betreiben zu können. Da könnte man durchaus auf die Idee kommen, sich bei einer Tasse Tee und friesischem Zuckergebäck im bequemen Sessel zurückzulehnen und sich auf die kommenden goldigen Zeiten mit einem umfänglichen Freizeitangebot zu freuen. Ein weiterer Gedanke drängt sich auf: Die Mehrheitsgruppe – das sind die CDU, SPD und ein paar versprengte Einzelkämpfer – schlägt endlich einmal ein Projekt vor, das ungeteilte Zustimmung verdienen könnte. Doch Vorsicht, so wie es auf den ersten flüchtigen Blick erscheint, so einfach und harmlos sind die Pläne nicht. Wenn man nur ein wenig genauer hinschaut, erkennt man ein altbekanntes Muster: Es ist ein Bluff geplant, ein gieriger Raubzug, um das letzte Vareler Tafelsilber ohne großes Getöse zu verramschen, niemand soll es merken. Wenn es dann, wenn es zu spät ist, doch noch – wie in Dangast – zu massiven Protesten der Bevölkerung kommt, duckt man sich weg unter den Schirm der Mehrheitsgruppe. Wer weiß denn schon, wer dahinter steckt?

Es geht um die Grundstücke der alten Vareler Sportstätten von der Deharde-Turnhalle an bis einschließlich Waldstadion, die an der Windallee gelegen sind. „Tivoli“ – weg damit!

Für jedes Bauvorhaben wird Geld gebraucht. Für ein Sportforum, das seinen Namen verdient und Möglichkeiten für viele Sportarten anbieten kann, wird man wohl einen Betrag von 5 Millionen € anlegen müssen, vielleicht aber auch viel mehr. Mit einem Wort: Es wird teuer! Um an das notwendige Geld zu kommen, hat man sich mit einem Antrag in eine ausgeschriebene Fördermaßnahme eingeklinkt. Zwischenzeitlich war diese Fördermaßnahme 200fach überzeichnet. Damit ist gesagt, dass die Antragsteller 200 mal mehr Geld beantragt hatten, als im ganzen Fördertopf enthalten ist. Die Chance, auf diese Weise an eine nennenswerte Menge Geld für das Sportzentrum zu kommen, ist etwa so viel wert wie die Hoffnung, beim Lottospielen eine auskömmliche Rente zu gewinnen. An dieser Stelle ist kaum Geld zu erwarten. Das muss von einer anderen Seite kommen.

Die Möglichkeit, durch den Zuschlag in dieser Fördermaßnahme an das Startkapital für das Projekt Sportzentrum zu kommen, geht demnach gegen Null. Allerdings, man muss immer auf das Kleingedruckte achten und ganz genau lesen: Mit der Abgabe des Förderantrags hat sich die Stadt Varel verbindlich verpflichtet, ihre alten Sportstätten komplett zu verkaufen, um das Eigenkapital für den Bau des Sportzentrums bereitzustellen. So ist das: Bei einer öffentlichen Förderung muss der Antragsteller in der Regel – so auch in diesem Fall – eine größere Summe für die Gesamtfinanzierung vorhalten. Dieses Geld soll durch den Verkauf der traditionellen Vareler Sportstätten aufgebracht werden.

Wenn das Projekt Sportzentrum jedoch nicht zustande kommen sollte, wäre das auch nicht gerade ein Beinbruch. Man hätte doch die Bauplätze für die neuen Stadtvillen!

Auf einen Antrag zu einer Fördermaßnahme hätte man leichthin verzichten können; auf das notwendige Eigenkapital jedoch nicht. Aber es ist einfach unauffälliger, die Verpflichtung zur Zahlung eines hohen Betrags für den Sport in einem Förderantrag zu verstecken, als ihn öffentlich im Haushalt der Stadt zu Abstimmung zu stellen. Da könnte es Proteste geben und Fragen wie: Warum wird nicht endlich mit dem längst fälligen Bau von Sozialwohnungen begonnen, warum wird der öffentliche Personennahverkehr nicht gefördert, warum gibt es keine Vorstellung dazu, wie der Verkehr in Zukunft geregelt werden soll, warum tun wir fast nichts für einen nachhaltigen Naturschutz. Alles viel wichtiger als Neubauten für Neureiche!

Bei nüchterner Betrachtung wird deutlich, dass wir die geplanten neuen Stadtvillen nicht brauchen. Diejenigen Vareler, die sich ein üppiges Zuhause leisten können, wohnen längst in ihren Häusern. Für Bauinteressenten, die von außerhalb kommen, geben wir unser letztes Tafelsilber von einigem Wert, das sich noch im Besitz der Stadt befindet, nicht her. Die allbekannten Investoren, die üblicherweise in solchen Situationen in der Stadt tätig werden, stehen allerdings schon bereit und warten auf den Start zur großen Sause. Stadtvillen sollen gebaut werden, die gefällig in das üppige Grün eingepasst werden könnten – daraus lassen sich dann problemlos überzeugende Argumente für der Verkauf mit einem hübschen Gewinn ableiten. Der Charme und die heitere Gelassenheit dieses Stadtviertels, das uns Varelern lebenslang so vertraut ist, wäre durch die Anhäufung von klotzigen Neubauten für immer zerstört. Aber dabei würde es nicht bleiben. Nach dem Abschluss dieser Maßnahme wäre die Weberei an der Reihe. Da hat es in den letzten Jahren schon einige Versuche gegeben, die mit knapper Not gerade noch abgewehrt werden konnten.

Die Fußballer, die bis jetzt an der Windallee beheimatet sind, haben einem Wechsel auf ein anderes Gelände unter der Bedingung zugestimmt, dass sie dort ausreichende Trainings- und Spielmöglichkeiten vorfinden. Diese Frage muss jedoch allen Vareler Bürgern gestellt werden, denn nur die gesamte Bürgerschaft kann die Verantwortung für die Durchführung derart umfangreicher Baumaßnahmen tragen, wie sie geplant sind. Diese Verantwortung darf man nicht einer kleinen Gruppe von Rasensportlern aufs Kreuz drücken, wie es geschehen ist. Ob es Planungen gibt, wie das neue Sportzentrum einmal aussehen soll, was es leisten soll, wie man es erreichen könnte, was es kosten würde und wie lange man daran bauen will, davon ist nichts bekannt. Allerdings hat man einen Teil des Gesamtprojekts bereits ins Auge gefasst: Für den Kunstrasenplatz ist Geld in den Haushalt eingestellt worden, er soll in Obenstrohe gebaut werden.

Ein leistungsfähiges Sportzentrum mit attraktiven Angeboten, das mitten im Gebiet der Kommune liegt und für alle gut erreichbar ist, findet bei solider Finanzierung unsere Unterstützung, ohne Wenn und Aber. Das brauchen wir aber erst dann, wenn alle wichtigen Aufgaben erledigt sind.

 

KLARE KANTE

Februar 2019

Leserkommentare (1)

Melden Sie sich bitte an um einen Kommentar abzugeben.
Passwort vergessen

Artikel schreiben



Bitte warten...
Schon registriert?
Melden Sie sich hier an! Passwort vergessen Anmelden
Noch nicht mit dabei?
Registrieren Sie sich hier! Registrieren

Feedback

Sie haben einen Fehler entdeckt oder einen Verbesserungsvorschlag? Schreiben Sie uns!

Suchen in der N@chbarschaft

Der Autor