Freitag, 12. Mai 2017, 21:47 Uhr
Gruppe der Fahrradfreunde

Apener Schinkenêum: Steile Treppe führt ins Reich der Reifekünste

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Schinken ist nicht gleich Schinken!

Benthullen / Harbern II / Wardenburg Es scheint wie ein Wunder, der erste warme Maitag fällt auf unseren Touren-Tag. Die Besichtigung des Schinken-Museums in Apen ist unser Ziel. Die Strecke von Benthullen nach Edewecht absolvieren wir mit den Fahrzeugen, dann geht es mit den Fahrrädern weiter.

Gut getimt erreichen wir pünktlich die Hauptstraße 212 in Apen. In diesem Gebäude soll ein Museum sein? Doch wir vertrauen dem Wort „Museum“ an der Klingel und machen uns bemerkbar. Etwas wartend öffnet sich die Tür und Herr Arnd Müller, derzeitiger Nachfahre und Betreiber des Museums, bittet uns in die Gute Stube. Wir sehen uns um und die Einrichtung versetzt uns gedanklich in die Zeiten unserer Großeltern.

Nach der Begrüßung und Entrichtung des Eintrittsgeldes wird die Bedeutung des Schinkens rhetorisch gekonnt mit Charme und Witz erklärt. Eine Zeitreise in die Vergangenheit des Ammerlandes beginnt mit deren Kultur-Geschichte vor ca. 150 Jahren. Fett muss der Schinken sein. Je dicker die Fettschwarte ist, desto größer sind die Aussichten den Winter zu überleben. Schnell wird uns klar: Schinken ist nicht gleich Schinken! Schweinerasse wie Bunte Bentheimer etc., die Reifung und Salzung der Schinken setzt ein fachliches Wissen über Generationen voraus.

Wir werden über eine steile Holztreppe in das Obergeschoss geführt. Es riecht etwas qualmig, wird kühler und dunkel wie in einer Kirmes-Geisterbahn. Übervorsichtig bewegen wir uns durch Gänge, ein Wirrwarrr von dicken Holzbalken über uns. Hier findet also lautlos die Schinkenproduktion statt – schon abenteuerlich!

Herr Müller erklärt uns die Philosophie des Luftaustauschs in diesem Dachgeschoss. Eine wesentliche Voraussetzung für die Lufttrocknung der 20 bis 40 Monate hängenden Schinken, um die verschiedenen Qualitäts-Merkmale zu erreichen. Und dann erblicken wir die Schätze hängend im Dachgebälk und in einem rußgeschwärzten Raum. Ehrfürchtig steigen wir die steile Treppe hinunter und versammeln uns wieder in der Guten Stube.

Wir kommen zum Höhepunkt, das Kosten eines Qualitäts-Schinkens. Herr Müller erscheint mit einem Tablett, darauf ein kleiner Schinkenstreifen mit einer Fettkante und ein überdimensionales scharfes Messer. Es wird Scheibchen für Scheibchen geschnitten und jeder darf einmal kosten. Ein allgemeines Raunen ist zu hören. Durch das Munden halten wir den Geschmack lange bei.

Ja, es ist ein Erlebnis und hat natürlich auch seinen Preis. Der Kilopreis dieser Schinken je nach Trockungszeit kann ca. bei 300 Euro liegen. Hier eröffnen sich völlig neue Geschenk-Ideen für gewisse Feinschmecker! Etwas verwirrt, es war ein spannender Vortrag, verlassen wir das Schinken-Museum. Wir schwingen uns auf die Fahrräder, steuern ein im Gewerbegebiet befindliches Fischgeschäft an und gönnen uns bei strahlender Sonne draußen einen kleinen Imbiss. – Schinken war nicht zu haben!

Hiernach haben wir die Heimreise wieder über Nebenstraßen durch das schöne Ammerland angetreten. Das Wetter hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir eine schöne Fahrrad-Tour gehabt haben.

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