Donnerstag, 12. Februar 2015, 17:43 Uhr
Westerstede / St. Petri-Kirche / Glockenturm

Die Sanierung des Glockenturms bei der St. Petri-Kirche im Jahr 1988

3881
4
 

Baumringanalysen ergeben: Das Westersteder Wahrzeichen ist nicht so alt wie einst gedacht. - Wichtige Maßnahmen zur Erhaltung.

Westerstede Der Glockenturm bei der Westersteder St. Petri-Kirche ist zweifellos einer der ältesten Bauten in der Stadtgemeinde. Nahezu keines der Häuser und Gebäude, die wir hier so vor uns sehen, existierte bereits, als er errichtet wurde. Allerdings ist der Turm auch wiederum nicht so alt, wie man früher einmal vermutete.
Lange wurde angenommen, dass er in etwa im 13./14. Jahrhundert erbaut worden sein, als wohl auch der untere Teil des Westturms und der Chor der Petri-Kirche entstanden. Die Renovierung des Glockenturms 1988, von der die ersten beiden Abbildungen zu diesem Artikel stammen, brachte aber neue Erkenntnisse. Damals konnten nämlich Balken dendrochronologisch, d.h. nach Jahresringen des Holzes, datiert werden. Die betreffenden Bäume wurden um das Jahr 1562 herum (plus/minus 5 Jahre) gefällt. So kann man offenbar davon ausgehen, dass der Westersteder Glockenturm etwa in dieser Zeit um 1560/65 errichtet wurde. Das wäre dann fast gleichzeitig zur Erbauung des ältesten bekannten Profanbaus des Ortes, der Köterei Ahrens, die bis vor einigen Jahren am Woltersdamm stand. Jetzt befindet sie sich bekanntlich zusammen mit der benachbarten Stellmacherei im Museumsdorf Cloppenburg. Beim Abbruch am alten Standort konnte das Haus ebenfalls in die Zeit um 1565 datiert werden.
Der Westersteder Glockenturm war anfangs allerdings ein Geschoss niedriger. Die Aufstockung erfolgte wohl spätestens um 1626, als auch eine neue Glocke angeschafft wurde. In etwa in diesen Zeitraum, genauer in das Jahr 1619, datiert man übrigens auch die Errichtung der allseits bekannten Krömerei.
Die Bauweise des Glockenturmes an der St. Petri-Kirche findet sich sonst eher im Friesischen („Parallelmauertyp“, vgl. Abbildungen). Ungewöhnlich für das Ammerland ist auch, dass er mitten auf dem Kirchhof steht. In Apen, Rastede, Wiefelstede und Bad Zwischenahn handelt es sich jeweils um einen Torturm, der am Rande, genauer gesagt am Eingang des Friedhofes steht. Diese Türme sind vermutlich auch 60-100 Jahre älter als derjenige in Westerstede: Sie werden ungefähr in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts (bis jetzt zumindest).

Als man im Jahr 1988 die Restaurierung des Westersteder Glockenturms in Angriff nahm, war schon länger klar, dass etwas getan werden musste. Es gab diverse Risse im Mauerwerk, Holz war morsch geworden, das Dach undicht. Außerdem neigte sich der Bau immer mehr in Richtung Südwesten.
Ursachen waren offensichtlich gewisse Baumängel. Da sind zu nennen eine mangelhafte Gründung des zunächst ja nur zweigeschossigen Turmes und eine eher geringe Verbindung zwischen den parallelen Mauern – alles natürlich im Zusammenspiel mit der Schwingung der Glocken über die Jahrhunderte.
Die beiden Fotos von der Sanierung zeigen, dass sämtliche sämtliche Ziegel vom Dach genommen wurden. Später – nach der Erneuerung der Dachlatten – verlegte man sie neu, schadhafte ersetzte man dabei. Weiterhin sollten neue stählerne Zuganker von der einen Außenmauer zur anderen den Bau stabilisieren. Das Mauerwerk mit den entstandenen Rissen erfuhr eine Ausbesserung. Die bis dahin teilweise zugemauerten Durchgänge bzw. Schallöffnungen wurden wieder geöffnet. Das ist zum Zeitpunkt der Fotos von 1988 bereits zum größten Teil geschehen, rechts unten ist aber ein Rest der Vermauerung noch erkennbar. Übrigens hat man bei der Gelegenheit auch den mittleren Durchgang vertieft – entsprechend dem ursprünglichen Fußbodenniveau.
Übrigens gibt es eine künstlerische Darstellung des Glockenturms an einer Madonnenstatue in der Westersteder Herz-Jesu-Kirche. Sie stammt aus dem Jahr 1983 und zeigt somit noch dem alten Bauzustand vor der Renovierung (Künstler: Ernst Rasche).
Die Architekten Brakenhoff und Gerold Otten leiteten die Baumaßnahmen. Letzterer schrieb 10 Jahre später darüber einen Aufsatz in der Festschrift zum 875.jährigen Jubiläum der St. Petri-Kirche. Dabei erläuterte er auch die neue Datierung des Glockenturms.
Fotos von der Rhodo 2014 zeigen, dass der Turm auch bei dieser Großveranstaltung noch eine gute Figur machte. Er wird uns aufgrund der Sanierung hoffentlich noch lange erhalten bleiben.

Zur Sanierung der Glocken von St. Petri siehe u.a. den NWZ-Artikel vom 8.3.2016.

Leserkommentare (4)

Melden Sie sich bitte an um einen Kommentar abzugeben.
Passwort vergessen

Artikel schreiben



Bitte warten...
Schon registriert?
Melden Sie sich hier an! Passwort vergessen Anmelden
Noch nicht mit dabei?
Registrieren Sie sich hier! Registrieren

Feedback

Sie haben einen Fehler entdeckt oder einen Verbesserungsvorschlag? Schreiben Sie uns!

Suchen in der N@chbarschaft

Der Autor