Samstag, 08. Oktober 2016, 18:28 Uhr
Literatur an Bord

Literatur an Bord der GROSSHERZOGIN ELISABETH

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Bericht über einen Tagestörn von Elsfleth nach Bremerhaven und zurück.

Nordenham / Elsfleth Am frühen Morgen des 3. Oktober legte die „Grossherzogin Elisabeth“ mit rund sechzig Literaturinteressierten an Bord in Elsfleth ab, um ihren Tagestörn in Richtung Bremerhaven anzutreten. Es war der Auftakt zur zwölften Schiffslesereise der Vereins Literaturplus Wesermarsch e. V. mit dem Dreimastschoner, der dieses Mal unter dem Kommando von Kapitän Jens Wilbertz stand. Das Leseprogramm umfaßte mit „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad einen Roman der Weltliteratur und zwei Meistererzählungen von Siegfried Lenz. Zum wiederholten Mal wurde die Veranstaltung von der Stiftung der Oldenburgischen Landesbank gefördert.

Joseph Conrad, der jahrelang als Seemann unterwegs war, verarbeitete in seinem Roman eigene traumatische Erlebnisse. Die Handlung rankt sich um einen charismatischen, aber skrupellosen Elfenbeinhändler, der die Außenstation einer belgischen Handelsgesellschaft am Kongo leitet. In ihrem Auftrag geht Kapitän Marlow mit einem Flußdampfer auf die Suche nach dem Mann, von dem die Gesellschaft länger nichts gehört hat. Auf seiner abenteuerlichen Fahrt durch den Dschungel begegnen Marlow brutale Ausbeutung der Eingeborenen sowie Krankheit und Tod. Für ihn ist die Reise auch ein Weg in die Tiefen seines Unterbewußten. Der Roman, der 1902 in Buchform erschien, schlägt somit ein düsteres Kapitel der Kolonialgeschichte auf.  Klaus Turmann aus Butjadingen las aus einer neueren Übersetzung Passagen, die er sorgfältig ausgewählt hatte, um den Handlungsverlauf deutlich zu machen.          

Die Oldenburger Schauspielerin Stephanie Trapp (eh. Baak) kam erst am späteren Morgen in Nordenham an Bord. Sie las die spannende Kurzgeschichte „Die Flut ist pünktlich“ von Siegfried Lenz, die von einem Beziehungsdrama auf einer norddeutschen Insel handelt. Gemeinsam mit Klaus Turmann las sie die in Dialogform geschriebene Erzählung „Herr und Frau S. in Erwartung ihrer Gäste“, in der es um schuldhaftes Verhalten im Zweiten Weltkrieg geht.

Markus Scharrer, der Vorsitzende von Literaturplus Wesermarsch e. V., moderierte die engagiert vorgetragenen Texte der Lesungen. Zu Joseph Conrad führte er aus, daß sein Roman in der heutigen Zeit zwar immer noch als Kritik an den Greueln der Kolonialpolitik aufgefaßt werde, aber dennoch in den Bemerkungen über die Eingeborenen einige rassistische Züge aufweise.

Im Gegensatz zur beklemmenden Thematik der drei  Lesungen spielten die hervorragenden Gitarristen Wilhelm Magnus und Manolito Steinbach, Mitglieder des Oldenburger Ensembles „Chapeau Manouche“, beschwingte Stücke aus der Sintimusik. Darunter waren Swing-Klassiker der 20er und 30er Jahre von Django Reinhardt, aber auch eigene Improvisationen sowie der Limehouse Blues von Philip Braham und Douglas Furber, ein Jazzstandard und eine Hymne der Swingkids-Bewegung gegen das Naziregime.  

Die Tagesfahrt, die bis über den Containerhafen hinaus und an den Langlütjen-Inseln vorbei zurückführte, endete am späteren Nachmittag in Elsfleth.

(Auf dem Bild sind zu sehen von links: Markus Scharrer, Vorsitzender von Literaturplus Wesermarsch e. V.; Manolito Steinbach, Gitarrist; Stephanie Trapp, Schauspielerin; Wilhelm Magnus, Gitarrist; Manuel Bunger, Tonmeister; Klaus Turmann, Vorleser)

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