Mittwoch, 08. Februar 2017, 14:21 Uhr
Holzschuhfabrik / Kuhlenstraße / Sieling

Die Westersteder Holzschuhfabrik

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Ein kurzlebiges Unternehmen der Nachkriegszeit in der Kuhlenstraße.

Westerstede / Bad Zwischenahn / Blexen Holzschuhe? Eine Holzschuhfabrik? Das klingt für uns heutzutage doch sehr wie aus einer weit zurückliegenden Zeit. In den harten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörten Holzschuhe jedoch durchaus zum täglichen Leben. Und es gab in Westerstede tatsächlich einmal eine Holzschuhfabrik.

Am 25.3.1947 erfuhren die Westersteder aus der Nordwest Zeitung, dass es im Gemeinderat eine konträre Diskussion über eine geplante Holzschuhfabrik gegeben hatte. Der Bürgermeister (Diedrich Beeken) war gegen deren Unterbringung in Nebenräumen eines Gebäudes, das als Altersheim vorgesehen war (in der Poststraße, heute Stadtbücherei). Dessen Bewohner würden dadurch gestört werden. Sein Stellvertreter meinte hingegen, die Herstellung von Holzschuhen sei wichtiger als „eine geringe Beeinträchtigung in der Ruhe des Hauses“.
Am 5. April des Jahres war man dann zu einer Einigung gelangt: „Die Holzschuhfabrik kommt“ - so titelte die NWZ an diesem Tag über einem kleinen Bericht. Aus Raummangel werde die Fabrik nicht in Nebengebäuden des Altersheims und aus technischen Gründen auch nicht in einer Baracke eingerichtet. Stattdessen sollte sich das Unternehmen in einem alten Wohnhaus niederlassen. Die „Dringlichkeit der Fabrikation“ wurde vom Gemeinderat noch einmal hervorgehoben.

Das Unternehmen wurde von dem Kaufmann August Drieling aus Westerstede und von dem Schuhmacher Bruno Sieling aus Bad Zwischenahn organisiert.
Letzterer war später auch bekannt als engagierter Heimatkundler, der zudem im Ammerländer Bauernhaus in Bad Zwischenahn für Besucher den „Bur“, den Bauern, gab. In einem NWZ-Bericht über Holzschuhe vom 10. August 1982 schreibt er auch über die von ihm und Drieling gegründete mechanische Holzschuhfabrik.
Dafür reisten sie sogar mit Unterstützung des Militärregierung und des Landkreises mit Lebensmitteln nach Westfalen, „um dort die schweren und komplizierten Maschinen zu besorgen“.

Bei dem für die Fabrikation vorgesehenen „alten Wohnhaus“ handelte es sich um ein Gebäude in der  Kuhlenstraße, das sich praktischerweise im Besitz der Familie Drieling befand.
Als Werkstattleiter der Fabrik engagierte man zum 2. Juni 1947 den Tischlermeister Gustav Rickels. Gebürtig kam er aus Goelriehenfeld, und sein Handwerk hatte er bei Fritz Hilmer in Westerstede gelernt. Bis er als Soldat in den Krieg musste, betrieb er in Nordenham-Blexen eine Tischlerei. Rickels war ein Schwager der Schwägerin von August Drieling. Diese familiäre Verbindung spielte sicherlich eine Rolle.

Über den Erfolg des Unternehmens berichtet Bruno Sieling in seinem Artikel. Er schreibt, das es zunächst gut anlief. Die Holzschuh-Modelle waren sogar fußgerecht gestaltet. Man entwickelte dann noch Maschinen zur Fertigung von Holzfußbettsandalen, auch „Brunoletten“ genannt, für die er aber die Patentanmeldung versäumte.
Die Fabrik, so Sieling weiter, habe die Notzeit gemindert, aber kein Geld eingebracht. Schneller als von ihm und seinem Partner erwartet, ging die Nachfrage zugunsten von Lederschuhen und Schuhmode zurück. Sieling äußert sich da noch eher zurückhaltend. Andere sprechen von „Reinfall“ und davon, dass man sogar Geld dabei verlor. Zum 30.4.1949 musste man die Holzschuh-Fabrikation einstellen.
Anfangs- und Enddatum des Unternehmens finden sich in einer Bescheinigung der Angestelltenversicherung für Gustav Rickels. Dieser blieb nach Ende der Holzschuhfabrik in dem Haus und betrieb dort für einige Jahre eine Tischlerwerkstatt.

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