Samstag, 17. April 2010, 16:08 Uhr
KKR

Boogie Woogie vom Feinsten

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Bluesatmosphäre im Rasteder Palais oder Mitsummen in G

Rastede Für mich und rund weitere 70 Besucher in den ausverkauften Palaisräumen war der Abend des 15. April etwas Besonderes. Boogiepianist Henning Pertiet versetzte mich zunächst mit der gedanklichen Vorstellung in eine andere Welt. Blues und Boogie Woogie begründeten ihre Tradition am Beginn des vorigen Jahrhunderts eher in verrauchten und alkoholgetränkten Kneipen Chicagos oder am Mississippi als in mitteleuropäischen adeligen Gemäuern. Nach den ersten Titeln und dem Dimmen der Lampen schloss ich meine Augen und liess mich mitnehmen in die Blues- und Boogie-Welt. Ich konnte nicht mehr stillsetzen, wär am liebsten zwischendurch mal aufgestanden um mich gehen zu lassen. Ich nahm den Rhythmus auf und liess Oberkörper, Beine und Hände trotz enger Sitzreihe ihren freien Lauf. Andere taten es auch und wenn's auch nur mit dem Zeigefinger auf dem Oberschenkel war. Auch das ehrwürdige Palais soll mitgewippt haben, wurde in der Pause gemunkelt. Es sind die besonderen Riffs, Blue Notes und der Off-Beat, die diese im Gegensatz zum schwereren Blues teils sehr flotten Rhythmen des Boogie-Woogie ausmachen. Blues und Boogie-Woogie haben aber ähnliche Wurzeln und harmonieren wunderbar miteinander. Der Verdener Pianist Henning Pertiet und sein Schlagzeuger Ralf Jackowski boten einen großen Querschnitt ihres breiten Repertoirs aus traditionellen und eigenen neueren Stücken. Besondere Titel kündigte der Künstler in lockeren Worten an. Dabei gab er so manches private Erlebnis preis, das in dem einen oder anderen Titel von ihm kompositorisch verarbeitet wurde, und sei es auch der Gemüsekuchen aus dem Kühlschrank gewesen, den DD heimlich verspeiste. Eine Hommage an den weltbekannten Boogiekünstler Axel Zwingenberger ? seinem großen Lehrherrn ? durfte natürlich nicht fehlen. Pertiet spielte ihm zu Ehren einen Titel. Ein Highlight bot Pertiet von einer originalen Vinylplatte mit dem Pinetops Boogie, aufgenommen vor über 80 Jahren und kurz vor dem unglücklichen Tod des Pianisten Clarence ?Pinetop? Smith ? stilvoll abgespielt vom jahrzehntealten handgekurbelten Kofferschallplattenspieler. Diesen Boogie boten Pertiet und Jackowski anschliessend in weiteren Fassungen dar. In der moderneren und letzten Version brillierte Jackowski mit einem ausgiebigen Solo virtuos an seinem Schlagzeug. Wie schon den ganzen Abend wurde viel Improvisation und solistisches Können an Piano und Drums geboten. Nach annähernd zweieinhalb Stunden wundervoller Blue Notes und schöner Riffs erklangen mit dem sehr ruhigen Howlong Blues die letzten Töne im Palais. Der Kunst- und Kulturkreis Rastede kann einen gelungenen Abend verbuchen. Bis zur nächsten Boogie-Woogie-Soireé ? vielleicht mit dem Pianisten Axel Zwingenberger, dem Bassisten Dave Green und dem Stones-Schlagzeuger Charlie Watts - verkürze ich meine Zeit mit der erstandenen Boogie-CD von Henning Pertiet.

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