Montag, 06. Juli 2020, 23:49 Uhr
Spielzeug

Vortrag zum Thema Spielzeugsicherheit in der Schule Rastede

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apen Nicht nur vom Spielzeug selbst, sondern auch von seiner Verpackung können Gefahren ausgehen. Betroffen sind insbesondere Kleinkinder. Für einen Zweijährigen mag es ein großer Spaß sein, sich eine Plastikverpackung über den Kopf zu ziehen – aber aus dem Spaß kann ein gefährlicher Ernstfall werden. Im allerschlimmsten Fall droht sogar die Erstickung, wenn sich das unbeaufsichtigte und in Panik geratene Kleinkind nicht alleine aus der Verpackung befreien kann. Darüber hinaus kann das Plastik grundsätzlich gefährliche Weichmacher enthalten. Erstickungsgefahren können ebenfalls von Verpackungsschnüren ausgehen, die sich – beabsichtigt oder zufällig – um den Kinderhals legen.

Die Spielzeugindustrie ist verpflichtet, Verpackungen so zu gestalten, dass sie möglichst kein Erstickungsrisiko bergen. Zudem befinden sich auf vielen Verpackungen Warnhinweise, dass diese nicht zum Spielen geeignet seien. Dennoch lässt sich wohl nicht jede Eventualität voraussehen. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte die Originalverpackungen (vor allem die potenziell gefährlichen Plastikhüllen) entweder wegwerfen oder für Kinder unzugänglich aufbewahren. Stattdessen kann man Spielzeug in großen Kartons oder Regalboxen aufbewahren. Das schützt das Spielzeug vor dem Einstauben und ist meist viel hübscher als die Originalverpackung.


Entflammbarkeit

Laut europäischer Norm DIN EN 71 darf Spielzeug nur schwer entflammbar sein. Auch wenn der Nachwuchs also ein brennendes Feuerzeug an den Teddy hält, darf er nicht in Flammen aufgehen. Die Norm erfordert, dass entweder unbrennbare oder besonders behandelte Materialien mit verlangsamter Verbrennung zum Einsatz kommen. Das gilt auch für Stofftiere, die wohl das größte Gefahrenpotenzial bergen.

Ob diese Bedingung tatsächlich erfüllt ist, kann der Verbraucher selbst kaum nachvollziehen – schließlich kann man schwerlich in einem Spielwarenladen zu Testzwecken mit Feuer hantieren. Der beste Weg einen Spielzeugbrand zu vermeiden, ist, Streichhölzer und Feuerzeuge und von Kindern fernzuhalten und an einem unzugänglichen Platz aufzubewahren.


Verschluckbare Kleinteile

Kleinteile, die verschluckt werden können, sind vielleicht die häufigste Gefahrenquelle bei handelsüblichem Kinderspielzeug. Eine Erstickungsgefahr besteht vor allem für Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren – daher darf Spielzeug für diese Altersgruppe grundsätzlich keine Kleinteile beinhalten. Das gilt nicht nur für offensichtlich lose Kleinteile wie Kugeln oder Spielfiguren, sondern auch für Teile, die sich unter ungünstigen Umständen vom Spielzeug ablösen können. Potenzielle Gefahrenquellen sind beispielsweise abziehbare Räder von Spielzeugautos, ungenügend befestigte Augen und Nasen von Kuscheltieren oder der lose Pfeifmechanismus einer Quietscheente.

Eine Besonderheit sind Kleinteile aus Weich-PVC. Es gibt Indizien dafür, dass solche verschluckten Kunststoffteile im Verdauungstrakt des Menschen aushärten und dann Verletzungen hervorrufen können. Ob ein Spielzeug potentiell ablösbare Teile beinhaltet, kann der Verbraucher nicht mit letzter Sicherheit feststellen, da er keine langfristige Beanspruchung simulieren kann. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, ein Spielzeug vor dem Kauf einer eigenhändigen Zieh- und Zerrprobe zu unterziehen. Löst sich bereits dabei ein Teil, das kleiner als etwa 4,5 Zentimeter im Durchmesser ist, oder beginnt das Teil bedenklich zu wackeln, ist das Spielzeug offenbar für Kleinkinder ungeeignet. Entsprechende Warnhinweise der Hersteller (“Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren wegen verschluckbarer Kleinteile”) sollte man ernst nehmen.


Bruchgefahr

Manches Spielzeug ist nur auf den ersten Blick stabil, lässt sich aber von energischen Kinderhänden schnell in Bruchstücke zerlegen. In der Regel ist Holzspielzeug, gerade wenn es gut verarbeitet ist, haltbarer und bruchsicherer als Kunststoff. Wenn es aber trotzdem entzwei geht, wird es schnell gefährlich, denn die Bruchstelle kann splitterige Kanten bilden. Grundsätzlich ist Spielzeug aus Massivholz sicherer als aus Spanplatten. Zerstörtes Plastikspielzeug zeichnet sich oft durch sehr scharfe Kanten aus, an denen sich das Kind schneiden kann. Außerdem kann sich der Nachwuchs die Haut an gerissenem Spielzeug einklemmen. Ein “Klassiker” ist das auf dem Spielplatz zu Bruch gegangene Sandspielzeug.

Ob ein Spielzeug etwas taugt, lässt sich oft schon beim Kauf feststellen. Ein billiges Schäufelchen, das sich mit zwei Fingern verbiegen lässt, wird schneller brechen als eine Schaufel aus massivem Hartplastik. Letzten Endes gibt es aber kein Spielzeug, das unter ungünstigen Umständen nicht zerstört werden könnte…


Schadstoffe

Vor allem Spielzeug für Kleinkinder sollte möglichst frei von jeglichen Schadstoffen sein. Leider sieht die Realität in manchen Fällen anders aus. Insbesondere die Zeitschrift Ökotest hat in den vergangenen Jahren immer wieder Gifte in Kinderspielzeug nachgewiesen. Betroffen war vielfach Billigspielzeug aus chinesischer Produktion, vereinzelt aber auch Markenware. Welche Grenzwerte offiziell eingehalten werden müssen, legt die EU-Normenreihe DIN EN 71 fest. Kritiker bemängeln allerdings, dass es an verlässlichen Kontrollen der EU-Normen fehle.

Kinderspielzeug ist ein besonders sensibler Einsatzbereich für “gesunde” Materialien, da die Spielwaren oft in den Mund genommen werden. Der Speichel, aber auch der menschliche Schweiß, kann gefährliche Substanzen wie Weichmacher aus dem nur scheinbar harmlosen Spielzeug herauslösen. Hinzu kommt, dass Kinder schon auf kleine Schadstoffmengen ungleich sensibler reagieren als Erwachsene.


Schwermetalle (Blei)

Schwermetalle zählen zu den besonders giftigen Substanzen, die im menschlichen Körper Langzeitschäden hervorrufen können. Vor allem Farbstoffe können Blei und Cadmium enthalten. Spektakulär war der Fall des US-amerikanischen Spielzeugherstellers Mattel, der im Jahr 2007 rund zwei Millionen Produkte zurückrufen musste. Die stark bleihaltigen Spielzeugautos, Musikinstrumente und anderen Artikel hatte Mattel von einem chinesischen Zulieferer importiert. Neben den materiellen Verlusten erlitt der US-Konzern seinerzeit einen erheblichen Imageschaden.

Sowohl Blei als auch Cadmium können sich im Organismus anreichern und so ihre schädigende Wirkung über viele Jahre hinweg entfalten. Blei wirkt unter anderem toxisch auf Nerven- und Hormonsystem und kann die frühkindliche Entwicklung ganz empflichlich und nachhaltig stören. Cadmium ist unter anderem schädlich für Nieren und Knochen.

 

 

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