Mittwoch, 09. Dezember 2015, 15:01 Uhr
Fikensolt / Museum / Albers

Historische Fotografie eines Fikensolter Gutsbesitzers

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Entdeckung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Fikensolt / Westerstede / Hamburg Seit Anfang Oktober ist das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe dabei, seine Sammlung online zu stellen. Auch die NWZ berichtete darüber am 2.10.2015 in einem kleinen Artikel. Es handelt sich sowohl um Bilder von den Museumsstücken des Hauses als auch um historische Fotografien. Man geht dabei so weit, dass man alle Bilder, auf die kein Dritter mehr Urheberrechte hat, als „Public Domain“ herunterladen und völlig frei nutzen darf. Davon erhoffen sich die Museumsleute einen Werbeeffekt und einen Wissenszuwachs.

Aufgrund der räumlichen Entfernung erwartet man an dieser Stelle nicht unbedingt, viele Zeugnisse zur oldenburgischen Regionalgeschichte zu finden – geschweige denn zu der des Ammerlands oder gar Westerstedes. Und doch wird man fündig!
Wenn man unter der Rubrik „Sammlung online“ z.B. den Suchbegriff „Oldenburg“ eingibt, erscheint insbesondere eine historische Porträtaufnahme mit dem Titel: „Heinrich Hermann Albers (1787-1861), Gutsbesitzer in Fiekensolt im Großherzogtum Oldenburg“ (Link: Heinrich Hermann Albers (1787-1861), Gutsbesitzer in Fiekensolt im Großherzogtum Oldenburg, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg).
Datiert wird das Bild gemäß der Angaben auf der Website ins Jahr 1855. Es handelt sich um eine so genannte Daguerreotypie, also um eine ganz frühe Form der Fotografie. Das Museum erhielt das Stück von einem Dr. Hermann Ulex aus Hamburg als Schenkung. Der Bildtitel ist auf der Rückseite in Tinte notiert.

Das heutige Schlösschen Fikensolt - „Fiekensolt“ mit „ie“ ist hierbei als altertümliche Schreibweise zu werten – wurde um 1760 im Stil des Rokoko erbaut. Gut und Schloss gingen während ihrer wechselvollen Geschichte durch die Hände vieler Besitzer. Einer von ihnen war der Amtmann Peter von Negelein, bekannt durch den vorausschauenden Wiederaufbau Westerstedes nach dem großen Brand und durch sein 2013 restauriertes Grabmal auf dem alten Kirchhof.
Nach seinem Tod geriet das Gut freilich in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Im Jahre 1830 erwarb es aus dem Konkurs heraus eben jener Hermann Heinrich Albers. Durch besagte besondere Umstände hatte sich der Gutsbesitz aber schon verkleinert. Offenbar stammte Albers aus Diepholz.

Etliche Akten und Dokumente des Gutes und Schlosses Fikensolt befinden sich mittlerweile im Westersteder Stadtarchiv (seit diesem Jahr im „Jaspers-Hof“ ansässig). Darunter sind auch Unterlagen, die Hermann H. Albers betreffen. Es handelt sich um diverse offizielle Briefe und Dokumente.
Beispielsweise erhielt der „Gutsbesitzer H. Albers zu Fikensolt“ eine „Concession zur Betreibung einer Schenkwirthschaft“, die vom 1. Januar 1838 an für drei Jahre gültig sein sollte. Ausgestellt wurde das Dokument am 31.10. 1837 in Oldenburg. Weitere Schriftstücke betreffen etwa juristische Streitigkeiten oder den Verkauf von Grundbesitz. Ganz offensichtlich hat Albers in Fikensolt nicht einfach nur ein müßiges Leben geführt. Meist wird er in den Akten schlicht als „Gutsbesitzer Albers“ bezeichnet. Manchmal erscheint in Abkürzung auch sein einer Vorname („H.“, „Herm.“).

1850 verkaufte Albers das Gut dann an Brumund. Seine Zeit in Fikensolt dauerte also recht genau 20 Jahre. Das bedeutet auch, dass die „Daguerreotypie“ genaugenommen erst entstand, als Hermann Heinrich Albers schon etwa 5 Jahre lang eben nicht mehr „Gutsbesitzer in Fiekensolt“ war.

Das Projekt „Sammlung online“ des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg ist noch nicht abgeschlossen. So kann man für die Zukunft vielleicht noch auf weitere interessante Entdeckungen hoffen.

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