Sonntag, 22. Oktober 2017, 17:00 Uhr
Schulbild / Dorfschule / Linswege

Aus der Dorfschule wurde eine Kindertagesstätte

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Neues über ein historisches Schulbild aus dem Besitz einer Goelriehenfelder Familie.

Linswege / Goelriehenfeld / Jührdenerfeld Es ist mittlerweile einige Wochen her, dass ich hier ein alte Aufnahme vorgestellt habe, die eine Schulklasse bzw. die Schülerschaft einer kleinen Schule vor einem Gebäude zeigt. Ein Lehrer ist auch mit dabei. Ich erhielt das Bild vor ein paar Monaten von einer Verwandten. Anzunehmen ist, dass es aus dem Besitz der Familie Rickels in Goelriehenfeld stammt. Bisher gab es zu der Fotografie im Grunde keine auch nur einigermaßen gesicherten Informationen.
So entschloss ich mich, einfach einmal über „Mein Westerstede“ nachzufragen, ob jemand mehr weiß. Als der Artikel dann auch in der Druckausgabe der NWZ erschien, gab es tatsächlich ein paar Reaktionen. Herzlichen Dank dafür!

Alle waren sich darin einig, dass es sich bei der fraglichen Schule um diejenige in Linswege handeln muss. In Jührdenerfeld, wo Kinder aus Goelriehenfeld vielleicht auch die Schule hätten besuchen können, ist das Foto nicht entstanden. Der Schulbau befindet sich in der Tat auf der Aufnahme im Hintergrund. Genauer haben sich die Mädchen und Jungen vor dem parallel zur Straße Zum Hullen stehenden Gebäudeflügel aufgestellt. Ein aktuelles Vergleichsfoto kann das bekräftigen. Vorne ist das alte Straßenpflaster zu erkennen.
Die alte Dorfschule von Linswege wurde im Jahr 1876 erbaut. Heute befindet sich in dem denkmalgeschützten Gebäude die Kindertagesstätte „Linsweger Landmäuse“. Deren Leiterin Maike Reichel wurde ebenfalls in der Zeitung auf das Bild aufmerksam. Es war ihr nicht unbekannt, denn vor einiger Zeit bekam der Kindergarten ein Exemplar ebendieser Fotografie geschenkt, das mir Frau Reichel bei einem Besuch vor Ort zeigte.
Es ist auf ein Stück Karton aufgeklebt, genau wie der Abzug der Familie Rickels aus Goelriehenfeld. Bei beiden finden sich ähnliche Stiftmarkierungen, die dabei helfen sollten, den Abzug gerade und ordentlich auf die Pappe aufzubringen. Dies wurde also wohl nicht nachträglich noch gemacht, sondern es liegt hier offenbar der originale Zustand vor, so wie die Familien der Schüler die Bilder nach dem Fototermin ausgehändigt bekommen haben.

Im Gegensatz zu dem Goelriehenfelder Exemplar findet sich bei demjenigen in der Linsweger Kita auf der Rückseite der Pappe eine aufschlussreiche Notiz mit Angabe des Ortes, der Jahreszahl und des Familiennamens des Lehrers.
Demnach stammt die Aufnahme aus dem Jahr 1909, als das Schulgebäude immerhin schon etwa 33 Jahre alt war. Das passt: auch vom Aussehen der Aufnahme her würde man auf frühe 20. Jahrhundert tippen, wie ja bereits im vorigen Bericht angesprochen.
Der Name des Lehrers lautet der Notiz zufolge Wilhelm Meinen, wenn auch der Vorname schwer zu entziffern ist.  Er wird auch in einem Zeitungsartikel von G. Eimers über die Geschichte der Westersteder Volksschulen im Ammerländer vom 26.9.1950 erwähnt: Demnach war Wilhelm Meinen 30 Jahre lang bis 1925 in Linswege als Lehrer tätig.
Auf dem Bild steht er nicht etwa - wie es in späteren Zeiten dann schon eher einmal vorkommen konnte - mitten unter seinen Schülern, sondern vielmehr links daneben. Der Lehrer Meinen war offenbar als sehr streng bekannt - und dafür, dass er die Prügelstrafe des öfteren anwendete. Man erzählt sich, dass er in einem Fall sich gezwungen sah, als der zu bestrafende Schüler vor ihm wegrannte, ihn durch den ganzen Schulraum zu jagen. Der Junge war wohl ziemlich flink.

An die auf dem alten Bild zu sehenden Büsche (Rotdorn) kann sich Maike Reichel, die den Kindergarten bzw. die Kindertagesstätte seit 1979 leitet, noch erinnern. Sie sind irgendwann im Zuge der mittlerweile recht zahlreichen Umgestaltungs- und Renovierungsmaßnahmen verschwunden. Auf dem alten Foto erkennt man hinter den Schülern oberhalb einen Türsturz. Dort befindet sich heute noch der Haupteingang zur Kita.

Wie schon einmal erwähnt, haben vermutlich die meisten Familien der abgebildeten Schulkinder Abzüge dieser Aufnahme bekommen, wenn sie es sich denn leisten konnten. Von einem weiteren Exemplar in Privatbesitz habe ich mittlerweile erfahren, so dass sich also davon mindestens drei Stück bis heute erhalten haben. Das eine oder andere schlummert aber vielleicht noch in alten Fotoalben.
Was bisher noch fehlt, sind Namen von den abgebildeten Schulkindern...

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