Mittwoch, 02. August 2017, 16:57 Uhr
Bchweizen als Lebensgrundlage

Naturschauspiel up de Höh in Howiek

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Blühender Buchweizen - ein toller Anblick, ein Naturwunder -

Howiek
Die an der Zufahrt zur Wassermühle hochgelegene Ackerfläche war viele Jahre  mit  tausenden Laubbäumen eines großen Baumschulbetriebes bepflanzt. Hier wurden viele Arten herangezogen und mit fachmännischer Pflege zu verkaufsfertigen Bäumen gebracht. Diese wurden dann in alle Welt versandt. Nachdem in diesem Jahr nun die Pachtfläche an den Besitzer zurückgegeben wird,
wurde die gesamte Fläche gerodet. Alle Pflanzlöcher mußten gefüllt werden. Der Acker wurde gepflügt  und eingeebnet. Als Einsaat wurde vor einiger Zeit Buchweizen genommen. Wir können es jetzt alle erleben, wie dieses große Feld in lila-weißer Blüte steht. Das gesamte Feld ist von diesem Blütenteppich bedeckt. Im Herbst wird  diese Frucht wohl als Gründünger  Verwendung finden, so daß der neue Pächter diese große Fläche für seine Zwecke nutzen kann.

Buchweizen was ist das?
Der Buchweizen wurde hier Ende des 18.Jarhunderts aus Mittel- und Ostasien eingeführt. Sein Anbau geschah durch die Brandkultur. Der aufliegende Heidehumus auf den weiten Mooren wurde verbrannt und dann der Buchweizen in die erkaltete Asche gesät. Beim Abbrennen des Heidekrauts und der Moore entstand der sogenannte Moorrauch, auch Höhenrauch genannt. Durch diesen Höhenrauch entstand eine derart starke Lufttrübung, daß der Himmel oft meilenweit verdunkelt wurde. Die Sonne erschien nur noch als eine kleine rote Kugel. Besonders in den Städten Nordwestdeutschlands führte diese Luftverpestung – eine Umweltverschmutzung schon vor mehr als anderthalb Jahrhunderten – zu lebhaften Klagen. Behördlicherseits wurde schon damals mehrfach diese Brandkultur untersagt. Von den Moorkolonisten wurden diese
Verbote jedoch kaum beachtet . Warum? Ja, ganz einfach, für sie war der Buchweizenanbau in ihrem schweren Dasein die wichtigste Existenzgrundlage.
 
Wilhelm Geiler hat dieses im  „Ammerland-Lied „ so ausgedrückt:

Un Bookweet halt hier ut dat Moor

woll männig lüttje Mann.

Un schellt de Stadtlüer up den Rock,

denkt he sick: „ Ji sünd noch klook,

ick help mi, as ik kann ! „

In seinen Ertägen war der Buchweizen freilich höchst schwankend und unzuverlässig. Es gab Jahre völliger Mißernte. War die Witterung jedoch günstig,
wurden Erträge aus der Ernte erzielt, die manchmal den Wert der ganzen Anbaustelle übertrafen.
„ Bookweeten is`n Slumpkorn, un wenn`t good geiht, `n Plumskorn „, urteilte daher der Ammerländer Siedler und Bauer, und wenn er ein Unternehmen als höchst unsicher kennzeichnen will, so meint er auch heute noch: 

„ Dat is`n  Bookweeten- Räknung. „

Als um 1860 der Heidehumus auf den weiten Moorflächen durch die Brandkultur verbraucht war, wurde in weiten Bevölkerungsschichten allen Ernstes befürchtet, daß nun eine Hungersnot ausbrechen würde. Warum? Der Buchweizen war in Form von Grütze und Pfannkuchen zur Volksnahrung des    „Kleinen Mannes „
geworden .Aber eben zu jener Zeit kam als Retter in der Not der Kunstdünger in unser Land und löste das Moorbrennen durch eine intensivere und einträglichere Kultivierungsweise ab. So spielt der Buchweizen heute für die Volksernährung keine Rolle mehr, aber die Westerschepser Heimatfreunde halten das Andenken  an das liebliche kleine Heidekorn, das einst für unsere Vorväter von so außerordentlicher Bedeutung war, traditionsbewußt aufrecht, inden sie auf der alljährlichen  „ Arntefier „ ihren Gästen einen köstlichen  „ Bookweeten – Janhinnerk „ , zünftig in Öl und Speck gebraen, servieren.
Im Fintlandsmoor, ungefähr dort, wo die drei Gemeinden Edewecht, Zwichenahn und  Westetrstede aneinandersgtoßen, war eine größere Fläche für den Buchweizenanbau der  „ Schepser „ vorhanden.
In unserer übersatten Zeit entdeckte man wieder den eigenartig erdigen Geschmack des Buchweizens, dessen Korn der Buchecker ähnlich ist und daher auch seinen Namen hat. So ist nun aus dem „ Arme-Leute-Essen „ eine Delikatesse geworden. Moortorte, Buchweizenplätzchen, Hümlinger Torte und viele andere Leckereien werden aus diesem dunklen Mehl hergestellt.

Getextet :         Friedrich Wilhelm Henning
Fotos:              Leonie Schottler (Henning)
Geschrieben:    Hans-Gerd Harms
 

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