Donnerstag, 28. September 2017, 14:59 Uhr
Pianino / Hegeler und Ehlers / Museum für Kunst und Gwerbe Hamburg

Ein Pianino aus Oldenburg im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Fundstück in der Rubrik „Sammlung online“ auf der Museumswebsite.

Oldenburg / Fikensolt / Hamburg Schon seit 2015 stellt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe seine Sammlung auf seiner Website online (unter „Sammlung online“). Alle Bilder, auf die kein Dritter mehr Urheberrechte hat, darf man sogar als „Public Domain“ herunterladen und völlig frei nutzen. Davon erhoffen sich die Museumsleute sowohl einen Wissenszuwachs als auch einen Werbeeffekt.

So stieß ich dort vor knapp zwei Jahren auf eine bisher unbekannte historische Fotografie, die einen Gutsbesitzer aus Fikensolt bei Westerstede zeigt. Dazu gibt es bereits einen Bericht auf „Mein Westerstede“.
Doch da das Projekt weiterläuft und die Daten laufend aktualisiert und erweitert werden, kann man immer einmal wieder nachschauen und auf weitere interessante Entdeckungen hoffen. So geschehen vor kurzem: Wenn man das Suchwort „Oldenburg“ eingibt, findet sich nun auch ein Eintrag über ein so genanntes Pianino mit Selbstspiel-Automatik (Rollenklavier). Hier geht es nicht um ein historisches Foto, sondern um ein Museumsstück aus der Sammlung des Hauses mit aktueller Abbildung und Beschreibung. Mit dem Ausdruck Pianino bezeichnet man ein aufrecht stehendes Klavier im Gegensatz zum Flügel.
Das Instrument wurde um 1910 von der Firma Hegeler und Ehlers in Oldenburg hergestellt. Es kam als Schenkung von Frau Liselotte Holthausen-Kube in das Museum für Kunst und Gewerbe. In dem Eintrag erfährt man auch, welche Materialien bei dem Pianino verarbeitet wurden: diverse Hölzer und Metalle, Elfenbein, Papier Leder, Gummi und Glas. Das Tasteninstrument ist 1,57 m lang, 1,32 m breit und 66 cm hoch.

Wenn man einen Blick wirft in das „Adreßbuch von Oldenburg 1900“ (als Faksimile-Nachdruck im Jahr 2000 neu herausgebracht), so findet man dort auch die besagte Firma Hegeler und Ehlers. Inhaber waren die beiden „Pianofortefabrikanten“ Hermann Hegeler und Heinrich Johann Ehlers. Ein Telefonanschluss war auch schon vorhanden (Nummer 336). Für die Firma werden zwei Adressen angeben, die Blumenstraße Nr. 29 und die Brüderstraße 20 a.
Laut dem Adressbuch war in der Brüderstraße 20 a allerdings auch die Stadtmädchenschule A ansässig. Möglicherweise ist dieser Widerspruch dadurch zu erklären, dass unbebaute Flächen bei der Schule erst tatsächlich der Brüderstraße 20 a, später aber doch Grundstücken an der Blumenstraße zugeordnet wurden.
Auch die Wohnanschriften der Firmeninhaber sind im Adressbuch verzeichnet. Bei Hermann Hegeler ist das wiederum die Blumenstraße 29, während Heinrich Johann Ehlers offfenbar in der Brüderstraße Nr. 10 wohnte. Die beiden Straßen befinden sich einander benachbart nordwestlich des Stadtzentrums.
2018 beschäftigte übrigens sich eine Ausstellung mit der Geschichte der Brüderstraße. Daraus entstanden ein Begleitbuch und eine Website. Dort gibt es auch noch mehr Informationen zu der Pianofortefabrik (bitte dem Link folgen). U.a. wird dort auch auf den besagten Widerspruch im Adressbuch von 1900 bezüglich der Adresse Brüderstraße 20 a eingegangen.

Wenn man die Namen Hegeler und Ehlers in eine Suchmaschine eingibt, so erscheint zum Beispiel eine Website mit dem Namen „Dieter Gocht's Klaviersaiten“, nach der die Firma 1895 gegründet und 1920 nach nur etwa 25 Jahren endgültig aus dem Handelsregister gelöscht wurde. Ernste Probleme hatte den Angaben zufolge die Firma aber schon 1912.
Außerdem finden sich im Internet einige Verkaufsangebote für Produkte der Fabrik. Eine Abbildung des Hamburger Museumsstücks dient auch als Illustration für den Wikipedia-Artikel „Elektrisches Klavier“- wohl auch deswegen weil das Museum viele seiner Musikinstrumente einschließlich des Pianinos aus Oldenburg zusätzlich auf der Seite Wikimedia Commons verfügbar gemacht.
Die Pianofortefabrik Hegeler und Ehlers war 1905 auch auf der Landesgewerbeausstellung in Oldenburg mit einem Stand vertreten. Das bezeugt eine historische Abbildung auf der Internetseite „Alt-Oldenburg“.

Wer sich übrigens für selbst spielende Klaviere und andere alte Musikautomaten interessiert und wen es einmal nach Berlin verschlägt, dem sei ein Besuch im Gründerzeitmuseum im Gutshaus Mahlsdorf im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf empfohlen. Dort hat man eine umfangreiche Sammlung von solchen Geräten. Bei einer Führung durch die Ausstellung werden sie vorgeführt und zum Spielen gebracht, was ein besonderes Erlebnis ist.

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