Montag, 28. Oktober 2019, 10:54 Uhr
Lebendige Heimat

Aus Geschichte und Sage von Ocholt-Howiek

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Ocholt-Howiek ist langsam gewachsen

Ocholt-Howiek
Der damalige Hauptlehrer Heinrich Grummer  hat die Geschichte über Ocholt-Howiek in den Nachkriegsjahren beschrieben. Damit unsere schöne Heimatgeschichte nicht in Vergessenheit gerät, habe ich sie aufbereitet um sie den jüngeren Generationen und Ocholt-Howiekern Neubürgern nahezubringen. Jeder solle die Sagengeschichten, die sich um Ocholt und Howiek ranken, kennenlernen. So kann sich dann schließlich jeder
Bürger, wenn er die Entstehungsgesichte kennt, bei uns wohlfühlen und stolz darauf sein, ein Bürger dieser Orte zu sein


                                                    --===O===--

Ohne Frage gehören die beiden Dörfer Ocholt und Howiek zu den älteren Siedlungen des
Ammerlandes, aber wohl nicht zu den ältesten. Die vorgeschichtlichen Urkunden der Jungsteinzeit von über 4000 und mehr Jahren, die Großsteingräber, wie sie im südlichen
Oldenburger Lande noch häufiger vorkommen und in einem Grab auch in der Gemeinde Rastede, gibt es hier nicht. Keine Sage und Erzählung weist auf vorhandengewesende hin. Im Raume Ocholt -Howiek wurden weder Hügelgräber noch Urnenfriedhöfe, die Grabstätten der Bronze-
 und Eisenzeit von etwa 2000 vor Chr. bis zur Einführung des Christentums, nachgewiesen.

Auch andere Dinge wie Scherben,  Gebrauchsgefäße und Pfostenlöcher von Häusern usw. wurden nicht gefunden.
Eine  Frage tauchte immer wieder auf: Warum wohnten hier noch keine Menschen? Die
anderen Gegenden, wie zB. das östliche Ammerland, die Oldenburger, Delmenhorster und Wildeshauser Geest waren bewohnt.
Der Name Ammerland wurde von Forschern gern mit Sumpfland erklärt. Ein nasses Gebiet ist das Ammerland an vielen Stellen ja auch gewesen, besonders der Südwesten,
derRaum der Gemeinde Apen und Teile der Gemeinden Westerstede und Edewecht, somit auch die Gegend von Ocholt und Howiek. In Südoldenburg war hohes Land, dort konnten die damaligen Menschen schon Ackerbau treiben. Wo sollten die Menschen dieser Gegend hier ihren Acker anlegen? Auf den Sandhügeln, wo es wohl trocken genug war, war der Boden zu mager, es gab besseren. Auch für ein Hirtenvolk war  unser Sumpf- und Moorgebiet wenig geeignet. In den Mooren um Ocholt-Howiek kamen keine Strauch- und Bohlenwege zum Vorschein, wie sie im Nordwesten der Gemeinde Westerstede vorhanden waren. Sichere Beweise für eine frühe Besiedlung gibt es nicht.
Ich will damit nicht sagen, dass hier nicht schon in vorgeschichtlicher Zeit  Menschen
gewesen sind. Sie gingen evtl. zur Jagd, denn gerade in der  nicht von Menschen bewohnten Gegend war viel Wild vorhanden. Außerdem mögen die Jäger hier nach Feuersteinen gesucht haben, denn es gibt hier einige Stätten, wo man Feuersteinknollen und auch bearbeitete Feuersteine, wie Abschlagstücke, in größerer Zahl vorfindet.

Nach einer Urkunde besteht das Dorf  Howiek um 1190. Carl Baasen hat es in seinen
Aufzeichnungen „ Das Oldenburger Ammerland“ so dargestellt. Das ist die Zeit, wo i, Ammerlande die alten Kirchen eben gebaut waren, es also wohl schon stärker besiedelt war. Um 1275 besteht nach dem genannten Buch von Baasen auch Ocholt. Ferner berichtet Baasen, dass sich die Schreibweise von Howiek in der jüngsten Zeit hieß es auch schon vielfach Hauwiek. Was bedeutet das Wort? Man kann darüber nur Vermutungen anstellen. Howiek könnte entstanden sein au „ hohe Wiek. Die Silbe Wiek ist eine seltene Flurbezeichnung. In andern Orten der näheren Heimat gibt es z.B. auch einen Wiekesch. 

 Es ist ein kleiner Esch, der fast ganz vom Sumpfgebiet umgeben ist.

Es könnte etwas zu tun haben mit  „ wieken „ und „ utwieken „. Eine Wiek wäre somit ein Zufluchtsort. Daß Howiek tatsächlich im Sumpf lag, bestätigte uns Strackerjan in seinem Werk „ Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg“.

 Hier geht es jetzt los mit den Sagen, die sich um Ocholt jund Howiek ranken.
„Zwischen Howiek und Westerstede war früher alles Wald und Sumpf, und es kam selten ein Howieker nach Westerstede.  Nun war Jan, den alle seiner Klugheit wegen bewunderten, schon zweimal in der Kirche gewesen, und die Hauwieker meinten, dass Jan daher alle seine Weisheit hatte. Darum wollten sie auch einmal zur Kirche. Damit sie den Rückweg fanden, banden sie einen Bindfaden in Hauwiek an einen Baum, und als sie in Westerstede angekommen waren, befestigten sie das andere Ende an den Turm. Es spielte ihen aber jemand einen Streich, dass er den Faden über den Ringelmannsdamm und über einen Kolk in die Bäke leitete. Als daher die Hauwieker sich abends an dem Faden nach Hause fühlen wollten, plumps! Lagen sie mit einem Male im Wasser.“

Über die Entstehung von Ocholt und Howiek gibt es neben der allgemeinen bekannten Sage noch folgende:
Ein Bauer wolle über das damals noch sehr reiche Moor zwischen Howiek und Ocholt fahren und machte einen Bund mit dem Teufel, dass dieser mitseinen Gesellen eine Brücke über das Moor legen sollte, und zwar so, dass die Gesellen immer das Holt vor  den Wagen legen und hinten wieder aufnehmen sollten. Der Teufel selbst aber musste statt der Lünse seinen Finger vor das Rad stecken.
Das Stück gelang, aber das Rad quetschte den Finger des Teufels, so dass er rief:  „Au, wiek „ ! und als er es gar nicht mehr aushalten konnte, rief er: „ Och holt !! „ und entwich unter Stank mitsamt seinen Gesellen. Nach des Teufels Ausrufen erhielten die Dörfer, die damals an jenen Stellen enstanden, die Namen Hauwiek oder Howiek und Ocholt. Für Howiek gibt es aber auch noch eine andere Sage: Ein Fuhrmann fragte:Wo sind wir? da querte eine Sau mit ihren Frischlingen den holperigen Weg und gab die Laute quiek quiek von sich. Der Fuhrmann
meinte dann hier ist Howiek.  

Die Howieker gelten schon immer als die Schildbürger oder Schöppenstedter des Ammerlandes. Strackerjan bringt im II. Teil Geschichten von ihnen. Diese sind wie folgt:
Einmal machten die Howieker enen Brunnen. Alös derselbe fertig war, lag ihnen der große herausgebrachte Haufen Erde im Wege. Einer schlug vor, ein großes Loch zu graben und die Erde hineinzuwerfen. Sie taten es, aber als sie damit fertig waren, lag noch mehr Erde da. Da sagte Jan, sie hätten dass Loch zu klein gemacht, es hätte noch einmal so groß sein müssen. -  Jetzt wollten sie die Tiefe des Brunnens messen. Es wurde eine Stange quer über den Brunnen gelegt, und ein riesiger Kerl hängte sich mit beiden Händen daran. An dessen Füße hängte sich ein zweiter und so fort, bis man die Oberfläche des Wassers erreichte. Aber der oberste konnte sich nicht mehr an der Stange halten. Er rief daher: „ Jungs holt jo fast , ok will man äben in de Hannes speen. „
Plumps lagen alle im Brunnen. – Später hatten sie was i den Brunnen fallen lassen ( einen Schlüssel ) . Darum banden sie einem ein Tau um den Hals und ließen ihn in den Brunnen hinab, damit er das verlorene Stück auffischte. Aber als sie ihn nach kurzer Zeit wieder heraufholten, war er tot, und die Zunge hing ihm aus dem Halse. Als die Hauwieker das sahen, riefen sie erfreut:  „ He hett`n  oder he wett`n“.

Die Hauwieker besaßen einen alten Schinkenknochen. Da sie sonst nicht viel hatten, um ihre Speisen fett zu machen, sagten sie einander Bescheid wenn Besuch zu erwarten war. Wenn sie dann beisammen waren, holten sie den Schinkenknochen und hängten ihn in den Topf mit Essen. Dieser Knochen hieß Hauwieker Inhanger. ( Im Wärgen haben die heutigen Howieker ein Nachbild aufgebaut. Der Rastplatz dort heißt auch to`n Inhanger.
 
                                                             --==O==--

Einst hatten die Hauwieker einen Sperling gefangen, und da er recht fett schien,
beschlossen sie, ihn in einer Bauernversammlung zu verzehren. Damit aber jeder seinen Teil bekomme, sollte er in einem großen Kessel gekocht werden. Dann solle jeder ein Stück Brot in den Kessel tunken, damit er seinen Anteil vom Fett bekam.  Die Hauwieker freuten sich über die gute Speise. Allerdings wunderten sie sich darüber, daß ein so kleines Tier doch soviel Fett haben konnte.  Wie sie so in vollster Tätigkeit in den Topf rumstocherten, hörten sie über sich vom Feuerrahmen her etwas ziepen, und als sie recht zusahen, saß dort der Sperling, der sich gleich anfangs aus dem Bade gerettet hatte, und plusterte sich.

                                                             --==O==--

Unter den dummen Bauern in Hauwiek und Ocholt war nur ein kluger Köter.
Einst saßen die Bauern um eine Grube und ließen ihre Beine mit den kurzen Hlsen und blauen Strümpfen hineinbaumeln. Sie waren in lebhafter Unterhaltung,  als plötzlich Streit entstand über ihre Beine, denn da diese alle überein aussahen, wußte keiner die seinigen herauszunehmen. Zum Glück kam gerade der kluge Köter vorbei und  konnte um Rat gefragt werden. Der nahm einen Stock und schlug dazwischen, alle sprangen auf, und jeder hatte seine Beine wieder
( Köter war ein sehr kleiner Bauer)

 Ein Hauwieker fand im Feld ein komisches Ding. Er kannte es nicht. Es war bunt, sah fast aus wie ein Ei. Es war allerdings größer als ein Menschenkopf. Der Hauwieker nahm es mit in seinen Krug, wo die Hausväter des Dorfes versammelt waren. Keiner von den anwesenden kannte das Ding.  Da sprach einer, man sollte doch den Jan holen lassen, denn der war schon zweimal zur Kirche gewesen und auch schon zur Stadt. Jan kam und gab sein Gutachten ab. Er stellte fest, es sei ein Pferde-Ei.  „ Is`t`n Pär Ei “ riefen alle, mööt wi  utbröen laten. Sie haben es versucht, aber es war kein Ei, es war ein Kürbis.

Ja, die alten Hauwieker  kannten so manche Streiche.
Damals, es war um 1608 herum, sollte nach Genehmigung die Hauwieker Wassermühle gebaut werden. Die obersten hatten aber zur Bedingung gemacht, daß für das große Mühlrad nur eine Welle (Spillgang) gebaut werden durfte. Ja meinten die Hauwieker, es macht uns nichts, wir bauen einfach 2 davon, denn eine Reserve ist gut. Der schlaue Jan meinte dann: Wenn die Herren uns aber dabei erwischen, dann wird alles nichts mehr.

Die anderen meinten: Sie werden uns nicht erwischen, denn wir versenken das zweite Stück im Zwischenahner Meer und holen es uns wenn es gebraucht wird. Gesagt, getan.
Die Hauwieker machten sich auf den beschwerlichen Weg nach Zwischenahn. Dort wurde das zweite Stück dann in ein Boot geladen und schon ging es los. Der älteste unter den Howieker meinte dann: Finden wir das Ding auch wieder? Ist doch ganz einfach meinte der Hauwieker Jan. Wir machen einfach eine Kerbe in das Boot und schon wissen wir wo das Ding liegt. Wenn wir es dann benötigen, fahren wir wieder mit diesem Boot aus Meer und schon finden wir es. Ja, so war es mit den Hauwiekern.

Ocholt und Howiek waren ursprünglich kleine Bauernschaften. Die ältesten Höfe waren wohl die jetzigen nicht mehr intakten Bauereien von Ohlroggen, Brünjes und Takenberg am Burnhörn. In Howiek waren es die Stellen von zu Jeddeloh und Hobbie. Nach und nach kamen kleinere Stellen hinzu. Handwerker siedelten sich hier an, das Leben war beschaulich. Straßen, so wie sie heute vorhanden sind, gab es nicht. Erst nach dem Bau der Eisenbahnlinie Oldenburg-Leer ging das rein bäuerliche Gepräge verloren. Es kamen immer mehr Privathäuser und Wohnungen dazu, denn Beamte, Angestellte und Bahnarbeiter  mussten eine Bleibe haben. Die günstige Lage ermöglichte auch vielen
anderen Personen mit dem Zug zum Arbeitsplatz nach Oldenburg, Westerstede usw. zu pendeln. So blühten die Ortschaften auf. Es kamen Handwerker, denn sie wurden damals gebraucht . Das Gut Karlshof entstand, auch die Torfwerke Strenge entwickelten sich im Fintlandsmoor. Es wurde eine Gartenbau – Versuchs- und Lehranstalt gegründet,
später war es die bekannte Großgärtnerei von Karl Hettenhausen . Eine Süßmosterei war hier auch angegliedert. Der Süßmost von Hettenhausen (Ocholter Süßmost) war
weithin bekannt. Immer und immer mehr Menschen bzw. Familien siedelten sich hier an. Auch auf dem Karlshof siedelten immer mehr Bauern, Karlshof wurde schließlich ein Dorf für sich. Bauern, Beamte, Angestellte und Kaufleute gaben den Handwerkern, die damals noch in allen Berufssparten da waren, Arbeit und sicherten deren Existenz.

Ja, so blühten die Dörfer auf, natürlich hat die Eisenbahn viel dazu beigetragen.
Ocholt wurde schließlich ein Eisenbahnknotenpunkt. Züge rollten von Wilhelmshaven über Ocholt nach Cloppenburg oder von Leer über Ocholt nach Oldenburg-Bremen. Damals war schon was los im Ort. Auch das Hauptpostamt für unsere Region war damals hier in Ocholt angesiedelt. Aber dennoch ging alles noch sehr gemütlich zu. Es wurden immer mehr Häuser gebaut, Kaufleute siedelten sich an, es ging immer weiter aufwärts.  In meiner Schulzeit hatten wir in Ocholt zwei Bäcker – Hobbie und Stumper . Hinzu kamen noch die Handwerker der Baugewerke und natürlich
war auch noch eine Schlachterei vor Ort, damals Schlachterei Busse. Auch hatten wir einen Schneidermeister – Erich Harms –Außerdem waren fünf Gastwirtschaften im Ort,  eine  Schmiede – Grimm – hatten wir und eine Autowerkstatt – Bruns. Der Ocholter Landhandel war da – Wilhelm Bruns  - und  auch die Landw. Bezugs- und Absatzgenossenschaft war vorhanden. Ein Friseur war da- Kohlmorgen –. Kolnial- und Gemischtwarenläden – so nannten sich die Kaufläden früher – hatten wir vier an der Zahl. Mein Lieblingsladen war Anni Buß. Es war ein uriger kleiner Kaufmannsladen mit Theke. Alles wurde noch abgewogen und kam in Papiertüten usw..

Ein Arzt und ein Zahnarzt waren am Ort. Man kann sagen, alles was im Ort benötigt wurde war da.  1956 bekamen wir einen eigenen Pfarrbezirk und eine eigene Kirche – unsere Pauluskirche -. Der damalige Pastor war Pastor Gruel.  Ocholt-Howiek  ist weiter zusammengewachsen. Eine Apotheke siedelte sich an, die Mühlenapotheke. Von Dörfern können wir heute nicht mehr sprechen, Ocholt ist unaufhaltsam gewachsen und wächst weiter. Nur wer in Ocholt oder Howiek aufgewachsen ist, kann sich ein Bild vom Wandel der Orte bzw. Dörfer machen. 1987 hatten wir in Ocholt noch viele Betriebe, aber das hat sich in den letzten Jahren  Ocholt drastisch geändert.

In den siebziger Jahren wurde unser schöner großer Bahnhof  abgerissen.  Danach, so kann man sagen, war zunächst noch alles ruhig.

Aber dann Ende der 80ziger Jahre und vor allem in den 90zier Jahren ging es mit der Geschäftswelt unaufhörlich nach unten. Kaufleue gaben auf, Handwerker gaben auf usw usw. . Dann aber kam wieder eine Wende. Dort auf dem Gelände, wo früher der Gasthof Hobbie mit Saalbetrieb war, wurde ein Einkaufscenter EDEKA errichtet.

Später kam dann an der Ecke Westersteder Str. – Westring noch ein  Bäckereibetrieb
mit Cafe hinzu. Da unser Ort aber unaufhörlich wächst, sollte über weiteres Baugelände nachgedacht werden. Auch muß über einen weiteren Markt gesprochen werden, Kaufkraft ist genügend vorhanden. Dieses wollen wir aber unserem rührigen Ortsbürgerverein und natürllich auch der Stadt überlassen. Vergessen dürfen wir natürlich nicht, in Ocholt gibt es einen Kindergarten, eine Kita und natürlich eine sehr gute Grundschule. Auch dieses dürfte ein Grund für junge Familien sein sich hier anzusiedeln. Hoffen wir, daß auch in den nächsten Jahren sich in Ocholt noch viel tut.

Dafür haben wir ja auch viele Vereine die uns kulturell und sportlich unterstützen.

 


 



 



 

 

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