Montag, 01. Juni 2015, 16:16 Uhr
Schmuggelpfade / Moor / Franzosen

Auf „geheimen Wegen“ unterwegs zwischen dem Ammerland und Ostfriesland

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Infotafeln geben an Ort und Stelle Auskunft über zwei „Schmuggelpadds“

Westerstede / Apen / Vreschen-Bokel Es gab Zeiten, in denen zwischen dem Oldenburgischen einschließlich des Ammerlands und Ostfriesland noch eine richtige Grenze war – inklusive Grenzkontrollen und Erhebung von Zöllen. Und wer ernsthaft solche Kosten und auch Handelsbeschränkungen umgehen wollte, der griff zum Mittel des Warenschmuggels.
Schmuggelaktivitäten gab es offenbar schon im 18. Jahrhundert, als Ostfriesland zum Königreich Preußen kam im Gegensatz zum weiter selbständigen Herzogtum Oldenburg.
Die hohe Zeit des Schmuggels war jedoch die während der „Kontinentalsperre“ im frühen 19. Jahrhundert. Damals wollte der französische Kaiser Napoleon I. Bonaparte den Handel mit dem verfeindeten England unterbinden. Geheime Handelswege führten zu dieser Zeit von der damals britischen Hochseeinsel Helgoland über Ostfriesland ins Ammerland und von da weiter.
Nun war es wegen der vor gut 200 Jahren noch vorhandenen großen Moore mit ihren Gefahren nicht möglich, nach Belieben die Grenze zu überschreiten. Das ging lediglich auf manchen kleinen Schleichwegen durch die Wildnis, die nur Ortskundigen gut genug bekannt waren.

Einer dieser Pfade befand sich zwischen Vreschen-Bokel (Gemeinde Apen) und Deternerlehe bei Detern. Er wurde kürzlich vom Freizeit- und Kulturkreis Bokel-Augustfehn e.V. mit viel Einsatz und Leidenschaft näher erforscht und erkundet. Auf dem Gebiet der Gemeinde Apen trägt das heutige Sträßchen sogar den Namen „Schmuggelpadd“ (auf ostfriesischer Seite heißt er Leegmoorweg, da er durch das Deternerleher Leegmoor führt). Am Beginn des Schmuggelpadds, wo er in Bokelermoor auf die Südgeorgsfehner Straße stößt, steht für Interessierte nun eine Informationstafel des besagten Vereines. Sie ist ausgestattet mit mehreren teils historischen Karten sowie einem ausführlichen Text über den geschichtlichen Hintergrund. Darauf basieren auch Teile dieses Artikels.
Aufgrund des moorigen Untergrunds befindet sich der Schmuggelpadd zwangsläufig nicht in besonders guten Zustand. Er ist auch lediglich für landwirtschaftlichen Kraftverkehr freigegeben. Ansonsten ist das Sträßchen aber Spaziergängern und Radfahrern wegen der landschaftlichen Schönheit zu empfehlen.

Ein weiterer, etwas kürzerer „Schmuggelpadd“ führt von der Halsbeker Straße zwischen Hollriede und Tarbarg in der Gemeinde Westerstede durch das Lengener Moor hinüber nach Uplengen. Der (Rad-)Wanderer gelangt auf diesem Weg durch Wiesen an einen „Grenzbach“. Dahinter gibt ebenfalls eine Infotafel über die Geschichte dieser Wegeverbindung Auskunft. Tee und andere Waren sollen auf diesem Weg einstmals ins Ammerland geschmuggelt worden sein. Die Tafel ist Teil des „Up Lengener Moor-Padds“, eines Moorerlebnispfads. Wenn man weiter geht, erreicht man schließlich die Buchenstraße und den Stapeler Hauptvorfluter, einen Kanal, in Meinersfehn.

Somit hat man am Rande des Ammerlands zwei Mal die Gelegenheit Historie und Natur zu erleben, auf zwei Beinen oder auf zwei Rädern. Dem tut es auch keinen Abbruch, dass die Moorlandschaften heutzutage zu einem großen Teil kultiviert sind.

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