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Erziehung

30.04.2017 "Tag der gewaltfreien Erziehung"

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Gewaltfreie Erziehung und wie sie gelingen kann..

Oldenburg-Zentrum / Edewecht / Wiefelstede
Eigentlich darf man sein Kind nicht schlagen, aber laut einer aktuellen Studie des Forsa-Instituts tun es tatsächlich noch die Hälfte aller Eltern in Deutschland, obwohl es seit November 2000 im BGB heißt: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Als Eltern haben wir einen großen Anspruch an uns, wie an unsere Kinder. Das Idealbild von Eltern und Kindern sieht folgendermaßen aus:
-Eltern sorgen für Ihre Kinder, behüten und beschützen sie, fördern sie und begleiten sie ins Leben. Eltern sind verlässlich und beständig, geduldig und großmütig, ohne Schwächen und dunkle Seiten.
-Kinder sind ehrlich und offen, strebsam und interessiert, einsichtig und aufmerksam. Sie tragen die Wünsche und Hoffnungen ihrer Eltern weiter, sind eine Freude für die Eltern.

Der Traum von einer heilen Welt sitzt tief in uns.
Unsere Herkunftsfamilie, sowie soziale Gruppen und Gesellschaft prägen uns und unser Familienbild auf der einen Seite und die Reklame gaukelt uns ein entspanntes, zufriedenes Hochglanzleben auf Postern und im TV auf der anderen Seite vor, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Die Geburt eines Kindes wirft die gewohnte Paarstruktur völlig über den Haufen. Nichts ist mehr so, wie es mal war. Die Welt ist in Unordnung, aber wir wollen die besten Eltern ohne Fehl und Tadel sein. Wirklich, sehr anstrengend.

Die Erfahrung aus der Arbeit mit Familien zeigt, dass fast allen Familien die Diskrepanz zwischen Idealbild und der Realität schwer zu schaffen macht und den neuen Anforderungen nicht so ohne weiteres gewachsen sind. Viele fühlen sich allein gelassen, erleben einen gewaltigen Erwartungsdruck der Gesellschaft, womit auch Partner, Freunde, Familie, usw. gemeint sind.
Wer traut sich schon, sich einzugestehen dass man überfordert ist? Wer mag sich Rat und Hilfe von außen holen und sich an eines der zahlreichen Angebote für Eltern und Familie wenden? Dazu gehört Überwindung, Kraft und Mut.

Kinder und Erwachsene erleben die Welt völlig unterschiedlich, sie haben unterschiedliche Interessen und Sichtweisen. Im Normalfall bewältigt ein Erwachsener seinen Tag nach einem Plan, er ist komplett durch organisiert, alles hat einen Sinn.
Für ein Kind ist jeder Tag neu. Es ist weniger strukturiert und entscheidet meistens aus dem Bauch heraus, spontan und nach eigenem Bedürfnis.

Um gewaltfrei zu erziehen, müssen wir Eltern dies alles berücksichtigen. Wir müssen uns unserer unterschiedlichen Bedürfnisse klar sein. Das bedeutet auch, unsere Bedürfnisse nicht zurückzustellen und uns innerlich neben unseren Kindern zu behaupten. Dies gilt dann im Alltag umzusetzen.
Kinder und Eltern sind in dem, was sie können und wollen oft inkompatibel. Sie brauchen Freiräume zum Ausgleich, die intellektuell und emotional passen.
Eltern müssen von ihren erwachsenen Erwartungen an die Kinder unbedingt viel Abstand nehmen – wie auch Kinder lernen, ihre kindlichen Vorstellungen von den Eltern zu korrigieren.

Wer als Erwachsener mit Kindern ein Ziel erreichen möchte, muss die notwendigen Umwege akzeptieren und einplanen. Das bedeutet: „sich Zeit nehmen“. Kinder und Eltern müssen sich reiben dürfen. Eltern sollten die Möglichkeit haben, ihre Kinder auch mal alleine lassen zu können und umgekehrt. „Loslassen“ bedeutet Vertrauen.

Gewaltfreie Erziehung gibt es nicht auf Rezept. Sie ist möglich, wenn alle ein realistisches Bild von Elternschaft entwickeln dürfen und sich die Lebens –und Entwicklungsräume für Kinder und Eltern erweitern.

Bleiben Sie voller Vertrauen, in sich und ihre Kinder. Und wenn Sie das Gefühl haben, dass ihr Fass bald überläuft, dann kommen Sie in unsere Beratungsstelle. Wir freuen uns auf Sie und unterstützen Sie gerne.
Ihr Team des Kinderschutzbundes Oldenburg

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