Dienstag, 14. November 2017, 19:05 Uhr
Vareler Papierkorb

Die "Alte" Vareler Bahnhofsbrücke mit viel Charme

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Nach 77 Jahren wurde sie durch ein Provisorium ersetzt.

Varel

Varel/Hafen Die erste Verbindung der Mühlen- und Hafenstrasse war  zunächst nur ein hölzernes Gerüst (erbaut 1867).  Die Stützbalken und Bohlen der ersten Bahnbrücke waren sehr häufig witterungsbedingt  morsch und brüchig. Der schmale Brückenbelag hatte gefährliche große Löcher, so dass große Schritte erforderlich waren um nicht durchzufallen. Außerdem konnte man durch diese Löcher die Reisenden in den darunter fahrenden Zügen sitzen sehen.
Der damalige Vareler Bauunternehmer Fritz Brunken (heute Firma E.u.H. Brunken) mußte mit seinen erfahrenden Zimmerleuten jedes Jahr regelmäßig diese Brücke reparieren und instand setzen, bis sie endlich 1913 abgerissen wurde und durch eine neue zeitgemässe Bahnbrücke ersetzt wurde.
Jede Menge Holzgerüste und Holzverschalungen wurden für die Stahlbetonbaukonstruktion der 25m langen Überspannung des neuen Bauwerkes verarbeitet. Die Fahrbahn der Brücke bestand zunächst aus hartgebrannten Pflastersteinen, später wurde sie mit einer Asphaltdecke überzogen. Die beidseitigen Gehwege wurden aufwendig in Mosaik-Klinker gepflastert. Durch schmiedeeiserne Geländergitter wurden die Passanten beim überqueren zur Schienenseite geschützt. Zur Fahrbahnseite sicherten Eisenrohre zwischen den grauen Betonsäulen die eventuellen Gefahren ab. Zur Zeit der riesigen Dampfloks war das Verweilen auf der Brücke das reinste Erlebnis. Minutenlang war man in den weißen Dampfwolken eingehüllt.
Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Bahnhofsbrücke an allen vier Ecken vermint. Unzählige elektrische  und Drähte sollten die Sprengung der Brücke auslösen, falls die Alliierten vom Osten her nach Varel einmaschieren wollten, oder auch den Schienenverkehr benutzen sollten. Glücklicherweise ist es nie zu einer Sprengung gekommen.
Unter dem enormen Personen- und Lastverkehrzuwachs der Ost-West-Verbindungen, zwischen Hafen und Stadt wurde die Bahnhofsbrücke nicht nur zu einem Nadelöhr, sondern auch zum großen Sicherheitsrisiko. Im Jahr 1970 verordnete der Landkreis Friesland schon eine Gewichtsbeschränkung von 24 Tonnen auf 12 Tonen runter. Die Bahn bestätigte dieses Vorgehen mit dem Zitat: "Wir haben die Tragfähigkeit der Bahnhofsbrücke untersucht, die Anordnung von zwölf Tonnen ist berechtigt!" Im Jahr 1979 machte die Stadt Varel der Deutschen Bahn auf eine nicht mehr auszureichende Breite des Bauwerks aufmerksam, sowie auch die Gefährdungen der Radfahrer. Nach zähflüssigen Verhandlungen der Deutschen Bahn, der Stadt Varel und dem Landkreis Friesland wurde die alte Brücke im Mai 1991 nach 77 Jahren abgerissen. Das Spektakel ereignete sich in der Nacht zwischen 22.10 Uhr und 7.00 Uhr morgens.Dieser historischer Rückbau wurde unter den Augen vieler Vareler Bürgern und Bahnliebhabern beobachtet. Die gute alte Bahnhofsbrücke mit den dunkelgrauen Betonbrückenbögen, die zusammen ein Gewicht von 180 Tonnen besaßen, wurde kurzerhand durch ein Provisorium ersetzt. Dieses Provisorium dauerte allerdings ganze 10 Jahre.
Im Februar 2001 begannen die Bauarbeiten der heutigen Bahnhofsbrücke. In acht Monaten wurde ein Bauwerk in einer Länge von 27 Metern und einer Breite von 6,50 Meter hergestellt. Die neue Brücke sollte auch an das alte legendäre Bauwerk erinnern. Somit wurden die beidseitigen Sicherheitsgeländer an der Bogenform der alten Brücke sehr nah angepasst.
Der eine oder andere fand die alte graue Betonbrücke wahrscheinlich hässlich, aber viele erinnern sich mit Wehmut, auch aus der Kinderzeit herraus, an dieses historisches Bauwerk.
Auch wenn die heutige Brücke architektonisch als auch funktionsmäßig allen Erwartungen gerecht ist, bleibt das "Alte" charmante Bauwerk, die wahre "Bahnhofsbrücke".

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