Donnerstag, 02. April 2020, 15:45 Uhr
EVANGELISCH-REFORMIERT IN VAREL / POLITIK UND RELIGION

Der Reformator Johannes Calvin (1509 - 1564)

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In diesem biographischen Essay über den Reformator Johannes Calvin wird ein Einblick in sein Leben und Wirken gegeben. (Evangelisch-Reformiert in Varel 2)

FRIESLAND / AMMERLAND / OLDENBURG § 1 Kindheit und Studium

Johannes Calvin wurde am 10. Juli 1509 im nordfranzösischen Noyon in der Picardie geboren. Er ist in einem gut bürgerlichen, friedlichen Elternhaus aufgewachsen.

Sein Vater, Gérard Cauvin, stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Er arbeitete sich hoch und wurde apostolischer Notar des Domkapitels in Noyon. Später war er Steuerverwalter der Grafschaft Vermandois und schließlich Sekretär des Bistums und Kirchenanwalt des Domkapitels.

Calvins Mutter, Jeanne Le Franc, starb schon sehr früh. Er war damals 5 oder 6 Jahre alt.

Die Eltern hatten vier Söhne. Der älteste, Charles, starb 1536. Ein jüngerer Bruder Calvins, Francois, wurde wahrscheinlich nur wenige Jahre alt. Der andere Bruder, Antoine, lebte später mit Calvin in Genf, ebenso Marie, eine der beiden Schwestern aus der zweiten Ehe des Vaters.

Calvin war schüchtern, zurückhaltend und von gebrechlicher Gesundheit. Sein Vater erkannte aber früh die intellektuelle Begabung des Sohnes und besorgte ihm mehrere kirchliche Pfründe. Calvin erhielt die Erträge aus den dazugehörigen Ländereien und konnte dadurch sein Studium finanzieren.

In Paris absolvierte Calvin das Grundstudium der freien Künste. Er genießt einen gründlichen Unterricht in Latein, Philosophie und Theologie.

Während dieser Zeit kam Calvin auch mit den Lehren Martin Luthers (1483 – 1546) in Berührung, schließt sich aber der Reformation nicht an. Calvin war zunächst vom evangelischen Aufbruch abgestoßen. Ihm missfiel die Art der Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und Huldrych Zwingli (1484 – 1531).

In Paris wurde Calvin Zeuge der ersten Verfolgungswelle gegen die Anhängerinnen und Anhänger der neuen Lehre. Er sah die ersten Scheiterhaufen brennen.

Danach sollte das Studium der Theologie folgen, aber sein Vater hielt die Rechtswissenschaft für aussichtsreicher und schickte seinen Sohn 1528 an die Hochschulen von Orléans und Bourges. Calvin schloss 1532 sein Jurastudium ab und erwarb den Titel als Lizentiat der Rechte.

Calvin schrieb im Rückblick: „So sehr ich dem Willen meines Vaters gehorsam war und versuchte, mich treu dem Studium der Rechte zu widmen, so hat doch Gott schließlich durch den verborgenen Zügel seiner Vorsehung meinen Weg in eine andere Richtung gelenkt.“ (Calvin im Vorwort zu seinem Psalmenkommentar 1557)

Neben Martin Luther hatte der Humanismus Calvin stark beeinflusst. So studierte er 1531 in Paris für ein Jahr diesen Humanismus und antike Kultur.

In diese Zeit fällt der Tod seines Vaters. Als Calvin von seiner Krankheit erfährt, reiste er nach Noyon und konnte ihn in seinen letzten Stunden begleiten.

Calvins Vater lag im Streit mit dem Domkapitel. Die Auseinandersetzung hatte 1529 zu dessen vorläufiger Exkommunikation geführt. Dieses belastete Calvins Vater sehr.

Das Domkapitel hatte noch Forderungen an ihn. Solange diese Forderungen nicht bezahlt waren, sollte Calvins Vater nicht in geweihter Erbe beerdigt werden. Johannes Calvin empfand dies als Affront.

Diese Affäre ist ein Baustein für Calvins Hinwendung zur Reformation gewesen.

Der Jurist Calvin sah später Reformation als Organisationsaufgabe. Es ging ihm darum, die neue Lehre mit Regelungen zu untermauern und zu stabilisieren. Er verfasste später in Genf auch Rechtsgutachten für den Stadtrat.

 

§ 2 Durchbruch zur Reformation

Calvin hatte nun Zweifel, ob er mit seinem althergebrachten Glauben vor dem EINEN GOTT bestehen könne.

Calvin selbst geriet erstmals in Gefahr, als er 1533 in Paris die Semestereröffnungsrede des Universitätsrektors Nikolaus Cop (1501 – 1540) mitverfasste. Wegen der darin erkennbaren Sympathien für die Reformation wurde Cop angeklagt und musste fliehen. Auch Calvin sah sich genötigt, Paris vorerst zu verlassen. Er tauchte als Charles d’Esville unter. Endgültig war der Bruch, als er im Mai 1534 in Noyon auftauchte und den Verzicht auf seine Pfründe erklärte.

In der Nacht des 17. Oktober 1534 wurden in Paris Plakate gegen die römisch-katholische Messe verbreitet, die sogar im Schlafgemach des Königs auftauchten. Das sorgte für Empörung. Alle, die reformatorisch gesinnt oder auch nur dessen verdächtig waren, mussten fliehen. Viele wurden gefoltert und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Calvin, der zwischenzeitlich nach Paris zurückgekehrt war und sich zur Reformation bekannte, floh auch. Es war für ihn jetzt lebensgefährlich nach Frankreich zurückzukehren.

Für Calvin blieb Frankreich seine Heimat. Es blieb auch das Land, dass er in seinen Gebeten und seinem Herzen trägt. Seine schönsten Briefe schrieb er für die verfolgte Kirche Frankreichs.

Calvin stand stets mit der verfolgten Kirche Frankreichs in Kontakt und war über deren Schicksal informiert. Seine gesamte Theologie hatte die besondere Situation einer verfolgten Kirche immer im Fokus.

Bei seiner Flucht kam Calvin Anfang 1535 nach Basel. Dort lebte er unter dem Decknamen Martinus Lucanius.

 

§ 3 Institutio

In Basel verfasste Calvin 1535/1536 eine Verteidigung des evangelischen Glaubens. Seine Absicht war es, die gefangenen, verbannten und ermordeten französischen Protestanten gegenüber dem Vorwurf zu rechtfertigen, sie seien gefährliche Aufrührer. Zu diesem Zweck schrieb er die „Institutio Christianae Religionis“ (Unterricht in der christlichen Religion).

Dem Werk war eine Vorrede an den französischen König Franz I. (1494 – 1547, König seit 1515) vorangestellt. Calvin hoffte, den König von einer Duldung der Protestanten überzeugen zu können. Dieser hat die Vorrede aber wahrscheinlich nie gelesen. Die Institutio wurde in Frankreich verboten und im Februar 1544 in Paris verbrannt.

Zunächst war die 1536 in Basel gedruckte Institutio nur ein kleines Handbuch von 500 Seiten. Dieses Buch fasste die Ansichten der Protestanten in Frankreich zusammen. Es verteidigte die verfolgte Kirche.

Mit den späteren Auflagen wuchs die Institutio zu Calvins Hauptwerk, einer systematischen Dogmatik, heran. 1539 bekam die Institutio das Grundgerüst, welches diese bis zur ihrer Endfassung behalten hat. Sie enthielt eine systematische Zusammenstellung seiner Lehre und war zugleich eine Anleitung zum christlichen Leben. 1541 übersetzte Calvin das lateinische Werk erstmals ins Französische. Damit wurde die Institutio nicht nur den Gebildeten, sondern allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich. Die Endfassung gab Calvin 1559 in den Druck.

Das Grundthema der Institutio lautet: Gleichklang zwischen Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis. Die Institutio hält fest, dass ein Mensch nicht über sich nachdenken kann, ohne dann auch den Weg zum EINEN GOTT zu finden. Dies erschließt sich dem Menschen über die Gotteserkenntnis. Anders formuliert: Den EINEN GOTT erkennen heißt, sich selbst auf die Spur kommen und damit tiefer in den Glauben eindringen. Der EINE GOTT ist kein menschenloser GOTT und der Mensch kein auf sich allein gestelltes Wesen. Gotteserkenntnis hat hierbei den Vorrang vor der Menschenerkenntnis.

Die Institutio wurde ein Bestseller. Sie machte Calvin zu einem der meistgelesenen Autoren des 16. Jahrhunderts. Bis 1599 erschienen 52 Ausgaben, darunter Übersetzungen ins Französische, Italienische, Niederländische, Englische, Deutsche und Spanische.

Heute ist die Institutio in mindestens 14 Sprachen übersetzt und für viele Reformierte eines der grundlegenden Werke ihrer Tradition. Wegen ihres klaren Stils wird sie auch außerhalb des reformierten Protestantismus geschätzt.

„Die ganze Summe unserer Weisheit, soweit man sie als wahr und fest ansehen darf, besteht in zwei Stücken, nämlich in der Erkenntnis Gottes und unserer selbst.“ (Institutio I,1,1)

 

§ 4 Weg nach Genf

Im April 1536 reiste Calvin nach Noyon. Dort nahm er an der Beerdigung seines Bruders Charles teil. Danach verließ Calvin mit seinen Geschwistern Antoine und Marie Frankreich für immer.

Calvin schrieb im Rückblick: „Zuerst war ich dem Aberglauben des Papsttums so hartnäckig erlegen, dass es nicht leicht war, mich aus diesem tiefen Sumpf herauszuziehen. Darum hat Gott mein junges, aber schon verstocktes Herz durch eine unerwartete Bekehrung gefügig und gelehrig gemacht.“ (Calvin im Vorwort zu seinem Psalmenkommentar 1557)

Das Ziel war Straßburg. Dort wollte er das reformatorische Wirken von Martin Bucer (1491 – 1551), Wolfgang Capito (1478 – 1541), Kaspar Hedio (1494 – 1552), Katharina Zell (1497 – 1562) und Matthäus Zell (1477 – 1548) als Privatgelehrter unterstützen.

Der direkte Weg nach Straßburg konnte nicht genommen werden, weil zwischen Franz I. und Kaiser Karl V. (1500 – 1558, von 1516 – 1556 als Karl I. spanischer König, von 1519 – 1556 römischer König und von 1530 – 1556 römischer Kaiser) wieder einmal Krieg herrschte. Die Reise führte schließlich über Lyon nach Genf. Calvins Plan war, gleich am nächsten Tag weiter nach Basel zu reisen. Aber dann bekam er einen folgenschweren Besuch.

 

§ 5 Anfänge in Genf

In Genf befand sich eine Person, die eine wichtige Rolle in Calvins Leben spielen wird: der Reformator Wilhelm Farel (1489 – 1565). Dieser war sich der Fähigkeiten Calvins bewusst. Er hatte gerade die Institutio geschrieben.

Wilhelm Farel bat und beschwor Calvin an den Reformen in Genf mitzuarbeiten. Calvin erklärte sich widerstrebend bereit und änderte damit seine Zukunftspläne.

Im Grunde klärte Farel Calvin über seine Berufung auf. Calvin war von diesem Appell so berührt, dass er sich damit einverstanden erklärte, in Genf zu bleiben. Ein Jahr vorher, 1535, war die Reformation eingeführt worden. Aber es war eher ein Nein zur Papstkirche als ein Ja zu den Zielen der Reformation. Diese sind den Bürgerinnen und Bürgern kaum bekannt gewesen.

Zuerst unterrichtete Calvin im Auditorium gleich neben der Kathedrale St. Peter. Ein Katechismus wird herausgegeben, damit die Genferinnen und Genfer wissen, was den neuen Glauben ausmacht.

Sehr bald übernahm Calvin pastorale Dienste und predigte regelmäßig in der Kathedrale St. Peter.

Es gab viele Neuerungen. Als Calvin und Farel alle Genfer Bürgerinnen und Bürger per Eid auf ein Glaubensbekenntnis verpflichten wollten, um zu zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger Genfs den alten Glauben abgelegt hatten, erhob sich Widerstand. Auch die von Farel und Calvin vorgesehene gemeindliche Selbstdisziplinierung (Kirchenzucht) wurde vom Genfer Rat zugunsten einer städtischen Sittenzucht abgelehnt.

Ende 1537 unternahm der Genfer Rat auf Druck Farels und Calvins einen erneuten Versuch, das Glaubensbekenntnis durchzusetzen. Das Anliegen fand jedoch nicht genügend Rückhalt in der Bevölkerung. Zudem verbot der Genfer Rat, Gemeindemitglieder im Rahmen der Kirchenzucht vom Abendmahl auszuschließen.

Calvin widersprach. Er vertrat die Auffassung, dass es allein der Kirche zustünde, jemanden vom Abendmahl auszuschließen oder nicht. Der Rat der Stadt Genf hingegen wollte, dass jede Bürgerin und jeder Bürger zum Abendmahl zugelassen wird. Anders formuliert: Calvin wollte nicht akzeptieren, dass die politische Führung in die Belange der Kirche hineinregiert.

Diese Querelen führten dazu, dass die Reformgegner im Februar 1538 bei den jährlichen Ratswahlen die Mehrheit erlangten.

Der neue Rat beschloss auf Druck Berns und ohne Rücksprache mit den Pfarrern die Angleichung der Kirchenordnung an die Berner Vorlage. Calvin und Farel bestanden jedoch auf der Unabhängigkeit der Kirche vom Rat. Sie weigerten sich, das Abendmahl in der Kathedrale St. Peter nach Berner Ritus auszuteilen. Beide wurden daraufhin per Ratsbeschluss ihres Amtes enthoben und aus Genf ausgewiesen.

Innerhalb von drei Tagen hatten Calvin und Farel die Stadt zu verlassen. Farel nahm eine Pfarrstelle in Neuchatel an. Calvin ging nach Basel, um dort als Privatgelehrter zu arbeiten.

 

§ 6 Straßburger Lehrjahre

In Basel hatte Calvin nicht lange seine Ruhe. Die Straßburger Reformatoren Martin Bucer und Wolfgang Capito überredeten ihn 1538, das Pfarramt der französischen Flüchtlingsgemeinde in Straßburg zu übernehmen.

Straßburg war 1538 eines der bedeutendsten Zentren des deutschen Protestantismus. Bucer und Capito bewahrten ihre (theologische) Selbständigkeit, obwohl beide sich 1536 der lutherischen Reformation angeschlossen hatten.

Calvin übernahm die Flüchtlingsgemeinde, die unter ihm aufblüht und eine große Anziehungskraft hat. Er hatte an der neu gegründeten Hochschule einen Lehrstuhl für Exegese inne. Eine Frucht seiner charismatischen Arbeit war der Römerbriefkommentar von 1539. Auch arbeitete Calvin an der Neuausgabe seiner Institutio; sie wuchs zu einem richtigen Lehrbuch heran.

Calvin hatte viel zu tun. Er arbeitete, wie schon als Student, 16 bis 20 Stunden täglich. Calvin las auch sehr gern. Er engagierte sich als reger Briefschreiber. Es wird geschätzt, dass Calvin in seinem Leben etwa 5000 Briefe geschrieben hat. Er schrieb diese unter anderem an ehemalige Studenten, Fürsten, Könige und viele auch voller Trost an die verfolgten Protestantinnen und Protestanten in Frankreich.

In Straßburg begann Calvin, die 150 Psalmen zu vertonen. Diese Arbeit setzte er in Genf fort. Später delegierte Calvin die Vertonung an Mitarbeiter. Am Ende stand der Genfer Psalter, die Vertonung aller 150 Psalmen. Bis heute gehört die Pflege des Psalmengesangs zu den Hauptkomponenten des evangelisch-reformierten Gottesdienstes.

Jede Woche hielt er mehrere Predigten und Vorlesungen. Calvin arbeitete seine Bücher aus und unternahm mehrere Reisen, um an Religionsgesprächen teilzunehmen.

Bucer beteiligte ihn an den Religionsgesprächen mit römisch-katholischen Theologen in Hagenau, Worms und Regensburg (1540/1541) und machte ihn mit deutschen Reformatoren bekannt. 1539 reiste Calvin mit ihm nach Frankfurt am Main, um die versammelten deutschen Fürsten auf die Verfolgungen der Protestantinnen und Protestanten in Frankreich aufmerksam zu machen.

In Frankfurt am Main lernte er Philipp Melanchthon (1497 – 1560) kennen, den engsten Mitarbeiter Martin Luthers, und schloss mit ihm Freundschaft.

In Worms und Regensburg tauschten sich Calvin und Melanchthon intensiv und lange aus. Beide kamen zu der Überzeugung, dass sie in der Lehre im Grunde letztlich übereinstimmen. Vor allem gab es die berechtigte Hoffnung, dass die klärenden Gespräche zwischen Calvin und Melanchthon die strittigen Glaubensfragen im innerprotestantischen Bereich befrieden helfen. Insofern existierte zwischen beiden eine besondere Bindung. Melanchthon und Calvin schätzten sich gegenseitig.

Vom Grundsätzlichen her ist zu ergänzen: Von ihrer Theologie her waren Calvin und Melanchthon inkompatibel. Kompatibilität bestand in der Kirchenpolitik, also hinsichtlich der Frage, was beide für die Reformation in Gesamteuropa erreichen wollten.

Beide respektierten ihre unterschiedlichen Positionen und ließen diese nebeneinander stehen. Es sind die ersten Schritte von Ökumene im Innern des Protestantismus.

Auch persönlich fand Calvin in der Straßburger Zeit sein Glück. Nach nur einem Jahr erhielt er das Bürgerrecht von Straßburg. Desweiteren heiratete er auf Empfehlung Bucers 1540 die junge Witwe Idelette de Bure (1506 – 1549), welche zwei Kinder mit in die Ehe brachte. Es war eine glückliche Ehe. Das einzige gemeinsame Kind Jacques lebte nur wenige Wochen und starb 1542 in Genf kurz nach der Geburt. Idelette selbst starb nach längerer Krankheit 1549 in Genf.

„Genommen ist mir die beste Lebensgefährtin. Wäre mir etwas Schlimmes widerfahren, sie hätte nicht nur willig Verbannung und Armut mit mir geteilt, sondern auch den Tod. Solange sie lebte, war sie mir eine treue Helferin in meinem Amt.“ (Calvin nach dem Tod seiner Frau 1549)

Während es für Calvin in Straßburg gut aussah, war die Lage in Genf alles andere. Es gab innerkirchliche Kämpfe und Parteiungen. Vieles war durcheinander, und von römisch-katholischer Seite wurde versucht, Genf zur Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche zu überreden.

Der Rat Genfs versuchte Calvin zu überzeugen, wieder zurückzukommen. Immer wieder kamen Delegationen nach Straßburg mit dem Ziel, ihn für die Rückkehr nach Genf zu gewinnen; auch Farel versuchte ihn zu überzeugen. Calvin zögerte lange.

Nach über einem Jahr kehrte Calvin am 13. September 1541 für, wie er annahm, einige Wochen zurück. Aber Calvin wird sein ganzes weiteres Leben dort verbringen.

Er wurde freudig empfangen, und seine Stellung war viel stärker als vorher.

 

§ 7 Neuordnung der Genfer Kirche

Mit den Erfahrungen aus Straßburg ging Calvin 1541 an die Neuordnung der Genfer Kirche. Er reformierte den Gottesdienst und führte den Psalmengesang ein. Außerdem schuf er eine Kirchenordnung, in der die Gemeindeleitung auf vier biblisch begründete Ämter verteilt wurde: Pastoren, Lehrer, Älteste und Diakone. Calvin versuchte damit, die Reformation auf eine breite Basis zu stellen.

Die Pastoren und Lehrer kamen wöchentlich in der Congrégation zusammen, um über Fragen von Bibel und Lehre zu diskutieren. Im Anschluss daran tagte unter dem Vorsitz Calvins der Pfarrkonvent (Compagnie des pasteurs), bei der die Pfarrer die laufenden Angelegenheiten besprachen.

Die Diakone übernahmen die Verwaltung der Armenkasse bzw. kümmerten sich um die Speisung und Pflege der Bedürftigen und Kranken.

Zudem wurde ein Konsistorium geschaffen, ein zentrales Beratungsgremium, das wöchentlich unter der Leitung eines Bürgermeisters tagte. Es bestand aus zwölf Ratsherren (Älteste) sowie den Pastoren. Das Konsistorium sollte Bürgerinnen und Bürger, die vom Weg eines christlichen Lebens abgekommen waren, zurückbringen. Sie taten dies durch Anhörung und gütliche Ermahnung sowie, in seltenen Fällen, durch zeitweiligen Ausschluss vom Abendmahl. In den weltlichen Machtbereich und in die Gerichtsbarkeit durfte das Konsistorium nicht eingreifen.

Die vier Ämter Pastoren, Lehrer, Älteste und Diakone stehen gleichberechtigt nebeneinander. Insbesondere die Ämter der Kirchenältesten und der Diakone üben meist Laien aus. Die Betonung und Wertschätzung der Laien ist ein wichtiges Kennzeichen für die evangelisch-reformierte Kirche.

„Einige behaupten, es müsse in der Kirche Gottes eine solche Vollkommenheit herrschen, sodass eigentlich gar keine Ordnungen und Gesetze mehr nötig wären. Aber die Vorstellung einer solchen Vollkommenheit ist töricht, da sie niemals in der Gemeinschaft von Menschen zu finden ist.“ (Institutio IV, 20,2)

Die Tätigkeit des Konsistoriums nennen wir heute Mediation, Mediation auf Grundlage der damaligen Gesetze, Normen und Vorstellungen. Es war der Versuch, menschliches Leben gemäß des Evangeliums zu gestalten. Es handelte sich also nicht um ein Ajatollah-System.

Die Frage des Abendmahlsausschlusses führte immer wieder zu Spannungen. Calvin wollte keine Einmischung der politischen Behörden in kirchliche Entscheidungen. Der Genfer Rat wollte jedoch die Kontrolle über diese Vorgänge behalten. Als der in Genf angesehene Philibert Berthelier 1552 vom Abendmahl ausgeschlossen wurde, hob der Rat den Beschluss des Konsistoriums 1553 auf. Calvin drohte damit, Genf zu verlassen. Dieser konnte sich aber schließlich durchsetzen.

 

§ 8 Abendmahlsstreit

Luther und Zwingli hatten sich 1529 nicht auf ein gemeinsames Abendmahlsverständnis einigen können. Seitdem gab es einen Dissens zwischen den Wittenbergern und den Theologen der Alten Eidgenossenschaft (um 1291 – 1798). Calvins Lehrer Bucer hatte versucht, zwischen den beiden Positionen zu vermitteln. Auch Calvin vertrat die Auffassung, dass die Unterschiede nicht kirchentrennend waren.

Mit Melanchthon hatte er sich deshalb 1539 in der Abendmahlsfrage verständigt. Auch mit dem Nachfolger Zwinglis in Zürich, Heinrich Bullinger (1504 – 1575), kam eine Verständigung zustande. Beide unterzeichneten 1549 in Zürich den Consensus Tigurinus. Diese Übereinkunft in der Abendmahlsfrage legte den Grundstein für die evangelisch-reformierte Konfession.

Der Kernsatz der Einigung lautete: „Das Brot wird uns zum Zeichen und Pfand der Gemeinschaft, die wir mit Christus haben, dargereicht. Aber das ist trotzdem ein Zeichen und nicht die Sache selbst, noch ist diese Sache dem Zeichen eingeschlossen oder ihm angeheftet. Wer denkt, dass Christus im Brot anzubeten sei, der macht daraus einen Götzen.“ (Consensus Tigurinus, 1549)

Der Consensus Tigurinus riss die Gräben zu den Lutheranern weiter auf. Denn Luthers Vorstellungen von der Präsenz Christi im Abendmahl wurden deutlich zurückgewiesen. Der Hamburger Theologe Joachim Westphal (1510 – 1574) nahm dies zum Anlass, den Theologen der Alten Eidgenossenschaft 1552 eine widersprüchliche und schwärmerische Abendmahlslehre vorzuwerfen. Calvin weigerte sich zunächst, darauf zu antworten.

1554 wurden Calvins Anhängerinnen und Anhänger unter der römisch-katholischen Königin Maria I. Tudor (1516 – 1558, 1553 – 1558 Königin von England und Irland) aus England vertrieben. Im lutherischen Dänemark und in einzelnen norddeutschen Städten wurden die Flüchtlinge aufgrund ihres reformierten Abendmahlsverständnisses nicht aufgenommen.

Calvin schrieb dazu 1554 an Johannes a Lasco (1499 – 1560): „Von der Grausamkeit der Dänen zu erfahren war mir sehr schmerzlich und bitter. Guter Gott, muss denn die Barbarei unter den Christen sogar die Wut des Meeres übersteigen?“

Calvin war empört über diese innerprotestantische Entsolidarisierung und griff zur Feder. Daraufhin kam es zum zweiten Abendmahlsstreit, in dem der Ton auf beiden Seiten immer unversöhnlicher wurde. Melanchthon, der sich aus den eigenen Reihen dem Vorwurf des Kryptocalvinismus ausgesetzt sah, hielt sich zur Enttäuschung Calvins lange zurück. Als Calvin 1556 in Frankfurt weilte, wurde ihm aufgrund der Auseinandersetzungen von lutherischer Seite das Gespräch verweigert.

 

§ 9 Stellung Johannes Calvins in Genf

Johannes Calvin hatte viel zu sagen, obwohl er als Pfarrer ohne theologischen Abschluss arbeitete und nie einen Sitz im Stadtrat hatte. Calvin bekam sogar erst 1559, wenige Jahre vor seinem Tode, das Bürgerrecht von Genf.

Calvin war Pfarrer in Genf. Er hat kein politisches Amt inne gehabt. Die Vorstellung, Calvin sei der Diktator oder Despot von Genf gewesen, ist historisch nicht zutreffend.

Calvin wusste bis 1559 nicht, ob er in Genf bleiben könne. Er hatte keinen gesicherten Aufenthaltsstatus. Auch war bis 1555 nicht klar, ob die Mehrheit im Stadtrat von Genf so bleiben würde, dass die Reformation mitgetragen wird.

Calvin hatte nie eine formelle Macht. Das war eines der faszinierenden Dinge bei ihm. Er konnte ohne ein offizielles Amt im Stadtrat Einfluss auf die Stadt ausüben. Aber das ist es, was Prediger und Propheten mit ihrer moralischen Autorität tun können. In seinem Fall wurde Calvin als der beste Bibelausleger angesehen. Mit Ausnahme des Hohelieds und der Offenbarung des Johannes hat er alle Bücher der EINEN BIBEL ausgelegt. Seine Exegese biblischer Bücher, seine Institutio, seine Predigten und seine vielen anderen Schriften legten den Grundstein für das Leben evangelisch-reformierter Christinnen und Christen.

Calvin hatte einen Juraabschluss. Da es in Genf kaum Bürger mit einer guten Rechtsausbildung gab, bat der Rat ihn bei Fragen der säkularen Gesetzgebung oft um Gutachten oder Hinweise. Diese hatten Gewicht, auch für Fragen der Struktur der Kirche.

Die juristischen Ratschläge waren in einem Fall besonders brisant. Sie wurden und werden viel diskutiert, im Fall Michael Servet (1511 – 1553).

 

§ 10 Michael Servet

Im französischen Vienne lebte der spanische Arzt Michael Servet.

Er hatte 1531/1532 in Hagenau zwei Bücher gegen die Trinitätslehre, die Umschreibung des EINEN GOTT mit Hilfe von Vater, Sohn und Heiligem Geist, veröffentlicht und floh vor der Inquisition nach Frankreich. Dort lebte er unter dem Decknamen Michel de Villeneuve.

1545 nahm er brieflichen Kontakt zu Calvin auf. Er versuchte vergeblich, Servet von seinen Anschauungen abzubringen. Servet versah Calvins Institutio mit abfälligen Bemerkungen und schickte ihm das Manuskript seiner „Christianismi Restitutio“ (1553).

Calvin hielt Servet für unbelehrbar und brach den Briefkontakt ab.

1553 wurden in Vienne auch fünf Berner Studenten wegen ihres reformierten Glaubens hingerichtet. Dies empörte den Genfer Bürger Guillaume de Trie sehr. Er schrieb seinem römisch-katholischen Vetter in Lyon, dass in Vienne ein Arzt namens Villeneuve ungehindert Ketzereien veröffentlichen könne. Der Vetter wandte sich sofort an den Großinquisitor Matthieu Ory (1492 – 1557) und erbat von De Trie Beweise, welche Calvin ihm gab. Servet wurde angeklagt, konnte aber fliehen. Er ist dann in Vienne in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

Vier Wochen später erschien Servet in Genf. Er wurde erkannt und von Calvin wegen Ketzerei angezeigt. Im Prozess lieferte Calvin der Anklage die Beweise. Servet glaubte sich durch Calvins Gegnerinnen und Gegner unterstützt und forderte seinerseits die Verhaftung Calvins.

Doch der tatsächlich mehrheitlich von Calvin-Gegnern besetzte Rat holte auswärtige Gutachten ein und verurteilte Servet daraufhin zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Servets Kritik an der Trinitätslehre und Kindertaufe wurde als Gefahr für die christliche Gesellschaft eingestuft.

Es ist an dieser Stelle daraufhin zuweisen, dass in dieser Zeit die Leugnung der Trinitätslehre und die Ablehnung der Kindertaufe in weiten Teilen Europas, so auch in Frankreich und im Heiligen Römischen Reich (962 – 1806), unter das Ketzerrecht fiel. Auf beide Straftatbestände stand die Todesstrafe.

„Ich hoffe, dass das Urteil auf Todesstrafe ausfällt; aber mein Wunsch ist, dass die Grausamkeit des Strafvollzugs gemildert wird.“ (Calvin an Farel 1553)

Nachdem Servet zum Tode verurteilt worden war, bat Calvin den Rat, den Verurteilten nicht bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Dieser solle vorher getötet werden. Dieser Bitte Calvins kam der Rat nicht nach.

Es war der Rat Genfs, der Servet zum Tode verurteilt hat.

Calvin trug Mitverantwortung für die Verfolgung eines sogenannten Ketzers, obwohl er wusste, dass seine eigenen Anhängerinnen und Anhänger in Frankreich unter dem zweifelhaften Vorwurf der Ketzerei hingerichtet wurden. Calvin beharrte darauf, dass auch auf evangelischer Seite nicht jede Ketzerei ungestraft geduldet werden dürfe.

Calvins Rolle im Fall Servet ist grässlich vom Schriftsteller Stefan Zweig (1881 – 1942) in seinem Buch „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“ verzerrt worden. Zweig stellt Calvin dort als Archetyp beziehungsweise Vorläufer von Adolf Hitler (1889 – 1945) dar. Diese Denkweise ist völlig ahistorisch.

Leider ist es bis heute so, dass dieser wie anderer Blödsinn, Flachsinn und Unsinn über Calvin noch immer von Bürgerinnen und Bürgern, Historikerinnen und Historikern, Journalistinnen und Journalisten, Publizistinnen und Publizisten, Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie Theologinnen und Theologen kommuniziert wird, auch in angesehenen Fachlexika und auch in meiner Heimatstadt Varel.

 

§ 11 Akademie

Calvin wollte das Verständnis christlichen Denkens erweitern. Was gab es da besseres, als die Gründung einer Universität, in der evangelisch-reformierte Theologen professionell trainiert wurden. Die Idee besserer Schulen und das System von Weiterbildung war sehr früh in den Gemeinschaften, die mit der Reformation in Verbindung standen, verankert. Schließlich kam es 1559 zur Gründung der Akademie in Genf. Diese fand schon bald großen Zulauf.

Calvin wurde immer wieder gebeten, er möge junge Studenten nach Frankreich schicken, damit diese dort als Pfarrer Dienst tun. Er wusste, dass nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung stand. Aus diesem Grunde war Calvin die Gründung der Akademie ein Herzensanliegen.

Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass viele Pfarrer, die von Genf in die reformierten Gemeinden Frankreichs gingen, dort den Märtyrertod starben.

 

§ 12 Doppelte Prädestination

Ein immer wieder diskutierter Punkt ist auch die doppelte Prädestination.

Calvins Lehre von der doppelten Prädestination war seine Antwort auf die Frage, wie der Mensch vor dem EINEN GOTT gerecht wird. Er stellte fest, dass das Heil eines Menschen allein in der Gnade des EINEN GOTT stehe und der Mensch selbst dazu nichts beitragen könne. Der EINE GOTT hat vor aller Zeit die Menschen erwählt, die Einen zum Heil und die Anderen zum Unheil.

In der Erwählungslehre ist dabei immer vorausgesetzt, dass die Menschen beziehungsweise die Menschheit vom EINEN GOTT abgefallen ist also sich in unentschuldbarer Weise von ihrer Lebensgrundlage getrennt hat. Daraus ergeben sich folgende Fragen: Wie ist es angesichts dieses Befundes denkbar, dass Menschen zum Glauben finden? Wie kommt es andererseits, dass Menschen von der Botschaft des Evangeliums unberührt bleiben?

Die theologische Antwort findet sich in der Erwählungslehre. Diese sagt, die Einen hat der EINE GOTT erwählt, die Anderen verworfen. Anderenfalls würde der EINE GOTT nicht involviert sein, die Menschen also selbst entscheiden, ob diese den EINEN GOTT an sich heranlassen oder nicht. Dieses kann nicht sein.

Es ist an dieser Stelle festzuhalten: Der Grund für die Erwählung ist nicht die individuelle Leistung, sondern die Gnade des EINEN GOTT. Seine Wahl ist immer gerecht, auch wenn wir Menschen das (noch) nicht begreifen können. Wer erwählt ist oder nicht weiß nur der EINE GOTT. Wen der EINE GOTT einmal erwählt hat, lässt er nicht mehr fallen. Der Grund für die Erwählung durch den EINEN GOTT ist dem Menschen verborgen. Dem Menschen bleibt seine Erwählung verborgen. Das Scheitern eines Menschen sagt nichts über seine Erwählung aus. Der EINE GOTT erwählt Menschen, weil er durch sie den menschgewordenen Christus liebt.

„Ziel der Erwählung ist die Heiligung. Dies muss uns umso mehr zu einem heiligen Leben anspornen, statt uns als Vorwand für unsere Faulheit zu dienen. (…) Weil wir nicht wissen, wer erwählt ist und wer nicht, sollen wir von dem Wunsch geprägt sein, es möchten alle selig werden.“ (Institutio III, 23, 12.14)

Die Erwählungslehre hatte vor allem auch eine seelsorgerische Funktion. Für die verfolgten Protestantinnen und Protestanten, welche nicht wussten, ob sie überleben, bedeutete die Erwählungslehre die Gewissheit: Du bist auf jeden Fall erwählt. Mag es dir noch so schlecht gehen, magst du noch so angefochten sein, der EINE GOTT ist auf deiner Seite und wird dich nicht fallenlassen. So wurde Calvins Lehre von der Prädestination für die Verfolgten zu einem Fundament des Trostes im Leben und im Sterben. Der EINE GOTT kennt die Seinen.

Die Prädestinationslehre ist also auch eine Theologie der Unterdrückten, eine Theologie der Verfolgten, eine Befreiungstheologie. Umgekehrt gilt: Die Verfolgerinnen und Verfolger der wahren Kirche können nicht erwählt sein. Diese müssen vom EINEN GOTT verworfen sein.

Die Erwählungslehre ist aus der Verfolgungssituation Calvins sowie der Protestantinnen und Protestanten sehr stark erwachsen.

 

§ 13 Konflikte in Genf

Durch den Zustrom von französischen Flüchtlingen wuchs die Genfer Einwohnerzahl von 1535 bis 1562 um das Doppelte auf 22000. Soziale Spannungen, Konkurrenz im Geschäftsleben und Verteuerung der Lebensmittel waren die Folge. Zusammen mit dem Genfer Rat versuchte Calvin, die Spannungen einzudämmen.

Der Rat erließ Luxusbeschränkungen, verbot Wucherzinsen und ging gegen Trunk- und Spielsucht vor. Zudem setzte sich Calvin für Kleinkredite an Arme ein und verbesserte das Diakoniewesen. Trotzdem führte die starke Zuwanderung bei den Genferinnen und Genfern zu einer offenen Fremdenfeindlichkeit, die auch vor Calvin nicht Halt machte.

Unter der Führung des Generalkapitäns und ersten Bürgermeisters Ami Perrin (um 1500 – 1561) bildete sich 1547 eine Opposition Genfer Patrizierfamilien, die gezielt gegen die Beschränkungen verstießen. Die Prediger wurden bedroht und Beschlüsse des Konsistoriums unterlaufen.

1555 verloren die Gegner Calvins jedoch die Mehrheit im Rat.

Später kam es zu einem nächtlichen Tumult gegen die französischen Zuwanderer, bei dem Perrin zwei Bürgermeistern den Amtsstab entriss. Dies wurde als Hochverrat betrachtet. Acht Beteiligte, darunter Perrin, konnten fliehen; vier wurden verurteilt und hingerichtet.

Nach diesem Vorfall konnte Calvin seine Vorstellungen zur Unabhängigkeit der Genfer Kirche vom Stadtrat durchsetzen.

 

§ 14 Grundlagen der Theologie Calvins

Calvin ging es um die Ehre des EINEN GOTT und um die Heiligung des Menschen. Das Zehntwort ist dem Menschen gegeben, damit dieser sein Leben daran ausrichtet.

Die Heiligung prägte Calvins ganzes Leben. Er war ein Theologe der Heiligung.

Calvin lehrte den Himmel. Es wird nichts mehr benötigt: Keine Bilder, keine Heiligen, keine Heilige Jungfrau, kein Papst.

 

§ 15 Letzte Jahre und Tod

Calvin hat Zeit seines Lebens nicht viel aufhebens um sich gemacht. Er wollte so jede Art von Personenkult vermeiden. So begründete dieser auch keine Tradition namens „Calvinismus“.

„Kein gräulicheres Schimpfwort finden sie, um Deine Hoheit, durchlauchtigster Fürst, anzugreifen, als die Bezeichnung Calvinismus! Woher dieser bittere Hass gegen mich stammt, ist klar zu sehen (nämlich), dass sie erzürnt sind, wenn nun dieser Nebel der Unwissenheit, auf den sie sich so sicher und vergnügt verließen, durchbrochen wird.“ (Calvin an Kurfürst Friedrich III. 1563)

Calvin konnte hinter seine Sendung, seinen Auftrag zurücktreten. Daraus resultierte ein Lebensstil, der dem EINEN GOTT allein die Ehre erweist.

Calvin wollte nicht, dass sein Leben als das eines Heiligen erscheint. Er lebte in sehr ärmlichen Verhältnissen. Die Möbel in seiner Wohnung waren ihm von der politischen Macht geliehen worden. Nach seinem Tode wurden die Möbel wieder abgeholt.

Calvin hatte die ganze Zeit über sehr wenig Geld. Das Geld, über welches er verfügen konnte, gab Calvin verfolgten Protestantinnen und Protestanten.

Calvin hat viel erreicht: Er hat durch die Institutio und die durch ihn gegründete Akademie die evangelisch-reformierten Kirchen und Theologen weltweit geprägt. Europa und die Welt im Blick zu haben und sich seiner sozialen Verantwortung bewusst zu sein ist ein Erbe seiner Theologie. Calvin hat das reformierte Denken fit gemacht für die Welt, für die Globalisierung.

Zum Reformierten Weltbund zählen sich etwa 75 Millionen Menschen. Daneben gibt es unzählige andere Kirchen, die von Calvin und seinen Ideen beeinflusst sind.

Doch auch Calvin musste Träume begraben. So gelang der Durchbruch der Reformation in Frankreich nicht.

1563/1564 wurde Calvin immer schwächer. Am 02. Februar 1564 hielt er seine letzte Vorlesung in der Akademie, am 06. Februar 1564 seine letzte Predigt.

Am 27. Mai 1564 starb Johannes Calvin im Alter von 54 Jahren. Zwei Tage später wurde er unter großer Anteilnahme der Genfer Bevölkerung beerdigt. Calvin wollte, dass um sein Grab kein Kult entsteht. So erhielt sein Grab auf seinen Wunsch keinen Grabstein.

„Meine Fehler haben mir stets missfallen, und (…) ich bitte euch, mir das Schlechte zu verzeihen. Wenn es aber Gutes gegeben hat, so richtet Euch danach und befolgt es!“ (Calvins Abschiedsrede an die Kollegen, kurz vor seinem Tod)

Nachfolger Calvins wurde Théodore de Bèze (1519 – 1605), einer seiner Schüler.

 

 

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