Samstag, 20. Januar 2024, 09:49 Uhr
Krankenhaus Varel / Weiterentwickung der Klinik? / Cornelia Papen und Uwe Cassens nehmen Stellung

Das Märchen von der "Weiterentwicklung" des Vareler Krankenhauses

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Die Wählergemeinschaft KLARE KANTE erinnert an den Anfang der geplanten Krankenhausreform, erinnert an öffentlich zugesagte Vorhaben, stellt ein paar Fragen und kann sich des Verdachts nicht erwehren: Die Rede von der "Weiterentwicklung" des Vareler Krankenhauses ist nichts anderes als Schönfärberei.

Varel / Bockhorn / Zetel Zur Sachlichkeit, die Grüne und FDP im Streit um die Zukunft des Vareler Krankenhauses einfordern, gehört auch die Erinnerung an Vorhaben des Landkreises nach Bekanntwerden der Pläne zur Krankenhausreform.
Bund und Länder hatten sich am 10. Juli 2023 auf die Eckpunkte zur Reform verständigt, unter anderem auf diesen: Die Fallpauschalen werden gestrichen. Stattdessen solle es Vorhaltepauschalen für „notwendige Kliniken“ geben. (www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenhaus/krankenhausreform)

Zu diesem Zeitpunkt hielt der Träger der Friesland-Kliniken den Standort Varel offensichtlich noch für solch eine „notwendige Klinik“. Im Wissen um die bevorstehende Reform informierte der Landkreis die Öffentlichkeit über seine Pläne zur Sanierung der Zimmer auf der chirurgischen und der internistischen Station. In seiner Ausgabe vom 14. September 2022 berichtete „Der Gemeinnützige“, dass die Aufenthaltsqualität verbessert werden solle. Dreibett-Zimmer ohne Nasszellen werde es künftig nicht mehr geben. Im Frühjahr 2024 solle mit den Umbauten begonnen werden.
Dazu passt, dass die BILD-Zeitung am 1. Juni 2023 ein Interview mit dem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach veröffentlichte:
„Ohne die Reform würden wohl 25 Prozent der Krankenhäuser sterben. Das wollen wir verhindern, dafür sorgen, dass die die notwendigen Kliniken überleben können – im Einzelfall auch mit einem abgespeckten, aber bedarfsgerechten Leistungsspektrum“
(www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/interviews/interview/bild-01-06-2023-krankenhausreform)

Anlass für den jetzt beabsichtigen Kahlschlag ist wohl nicht die Krankenhausreform. Er dürfte eher das Ergebnis einer vollständig misslungenen Fusion der beiden Häuser in Varel und Sanderbusch sein. Seit dem 1. Oktober 2016 ist es nicht ansatzweise gelungen, die Konkurrenz zwischen den beiden Kliniken in eine vernünftige Kooperation umzuwandeln.

Wir hören von medizinischen Bedarfen, die in Varel sehr wohl hätten bedient werden können. So die Einschätzung aus Kreisen der Ärzteschaft. Sowohl Kompetenz als auch Kapazitäten hätten Innere Abteilung und Chirurgie durchaus in die Lage versetzt, einen auskömmlichen Betrieb aufrecht zu erhalten.

Seit dem Sommer 2023 war der Geschäftsführung die Kündigung des Chefarztes Dr. G. Klein bekannt. Wir hören, dass nichts unternommen wurde, um diese Stelle neu zu besetzen. Das untermauert unseren Verdacht, dass die Schließung der jetzt betroffenen Abteilungen politischer Wille war. Wir fragen: Ist die geplante Umstrukturierung nicht eine von langer Hand geplante Absicht zugunsten der Klinik in Sanderbusch? Wer die baulichen Zustände in diesem Haus kennt und um den Sanierungsbedarf dort weiß, kann sich dieses Verdachts nicht erwehren.

Wir hören von leidenschaftlich geführten Debatten auf zum Teil chaotisch verlaufenen Betriebsversammlungen.

Wir hören, dass einem Arzt am Vareler Krankenhaus fristlos gekündigt wurde, nachdem er sich an das zuständige politische Entscheidungsgremium gewandt und sich über die desolaten Zustände im Krankenhaus, ausgelöst durch die Geschäftsführung, beklagt hatte. 

Von einer „Weiterentwicklung des Krankenhauses in Varel“ kann auch vor dem Hintergrund dieser Verhältnisse keine Rede sein. Es ist an der Zeit, die Rede von der „Weiterentwicklung“ als das zu entlarven, was sie ist: Schönfärberei, mit der die Öffentlichkeit ruhiggestellt werden soll.

Cornelia Papen (Vorsitzende der Wählergemeinschaft KLARE KANTE)
Uwe Cassens (Mitglied des Rates der Stadt Varel)

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