Mittwoch, 25. September 2019, 22:01 Uhr
POLITIK UND GESCHICHTE

ZEIT GESCHICHTE "1919 - Der Vertrag von Versailles ... "

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VAREL / RASTEDE / OLDENBURG Zwischen dem 28. Juni 1919 und dem 10. August 1920 sind die Pariser Vorortverträge zwischen den Siegermächten und den Besiegten abgeschlossen worden, welche den Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) völkerrechtlich beendeten. Dabei handelte es sich um den Versailler Vertrag mit Deutschland (28. Juni 1919), den Vertrag von Saint-Germain mit Deutschösterreich (10. September 1919), den Vertrag von Neuilly-sur-Seine mit Bulgarien (27. November 1919), den Vertrag von Trianon mit Ungarn (04. Juni 1920) und den Vertrag von Sèvres mit dem Osmanischen Reich (10. August 1920).

Die Autorinnen und Autoren von ZEIT GESCHICHTE "1919 - Der Vertrag von Versailles und warum er keinen Frieden brachte" gehen das Thema vom Ende des Ersten Weltkrieges an und überwinden dabei auch den monokausalen Blick auf Deutschland. Denn in Paris kamen Vertreterinnen und Vertreter aus der ganzen Welt zusammen; alle wollten bei der Neuordnung der Welt mitreden.

Thematisiert wird die "deutsche Frage": Deutschland blieb trotz Gebietsverlusten im Kern erhalten; doch die Friedensbedingungen verursachten in Deutschland über alle Parteigrenzen hinweg wütenden Protest. Doch ohne die Zustimmung zum Versailler Vertrag drohte die Fortsetzung des Krieges. So unterschrieb die Vertretung Deutschlands diesen Vertrag und die Nationalversammlung der Weimarer Republik (1918 - 1930/1933) verabschiedete ihn. Als Problem erwies sich in der Weimarer Republik, dass der außenpolitisch-monokausale Kampf gegen den Versailler Vertrag, auch durch die die Republik tragenden Parteien, letztendlich den Feinden der Demokratie, wie den Nationalsozialisten, in die Hände spielte.

Die Friedensverträge von Saint-Germain und Trianon zerlegten das alte Imperium der Habsburger in neue Nationalstaaten. Aus einem großen Vielvölkerreich entstanden kleine Vielvölkerstaaten und damit neue Konflikte und Kriege mit Millionen von Toten. Diese Auseinandersetzungen wurden unter dem Schlagwort "Selbstbestimmung" des us-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1856 - 1924) engagiert ausgetragen. Besonders betroffen waren Jüdinnen und Juden, Muslimas und Muslime sowie Sinti und Roma.

Auch Vertreterinnen und Vertreter der kolonisierten Völker reisten nach Paris an; viele Männer aus Afrika und Asien hatten auf Seiten Frankreichs und Großbritanniens gekämpft. Diese setzten große Hoffnungen in das Schlagwort "Selbstbestimmung" des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Sie hofften auf Unterstützung ihres Bestrebens nach Unabhängigkeit. Diese Hoffnungen wurden enttäuscht; die Kolonialgebiete Frankreichs und Großbritanniens blieben nicht nur bestehen sondern weiteten sich aus.

Das Ende des Osmanischen Reiches (1299/1300 - 1922/1923) war geprägt durch erbitterte Gewalt. Christen, Griechen, Muslime und Türken bekämpften sich gegenseitig brutal. Am Ende akzeptierten die Sieger des Ersten Weltkrieges Vertreibung und Völkermord als Kollateralschäden der Gründung der Republik Türkei (seit 1923). So wurden auch die Kurdinnen und Kurden sowie christlichen Armenierinnen und Armenier vom Westen im Stich gelassen.
In den arabischen Gebieten des Osmanischen Reiches ließen Frankreich und Großbritannien Araber und Beduinen für sich kämpfen. Anstatt ihnen nach dem Sieg die Unabhängigkeit zu gewähren, teilten die Westmächte dieses Land unter sich auf. In der arabischen Welt ist dieser Verrat bis heute nicht vergessen.

Zusammenfassend kommen die Autorinnen und Autoren zur Einschätzung: Nicht die Pariser Vorortverträge produzierten die Konflikte sondern die radikalen Nationalismen. Diese schwächten die Demokratie und diskreditierten den Frieden.

Das Heft wird durch Bilder, Karten, Lesehinweise und einen Überblick in Zahlen ergänzt.

Die Lektüre des Heftes ist lehrreich und macht nachdenklich. Ich wünsche dieser Ausgabe von ZEIT GESCHICHTE viele Leserinnen und Leser.


ZEIT GESCHICHTE Nr. 1/2019: 1919 - Der Vertrag von Versailles und warum er keinen Frieden brachte, 116 Seiten, Hamburg 2019 (Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, 
https://shop.zeit.de/sortiment/die-zeit-magazine/zeit-geschichte/3965/zeit-geschichte-1/19-der-vertrag-von-versailles-1919, Preis: 7,50 EURO).

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