Samstag, 20. Mai 2017, 16:07 Uhr
Tro di wat

"Oskar"-Verleihung für Geschichten in der Plattdeutschen Sprache

490
0
 
Artikel von

Platt is cool! Dorbi wähn, is dat "A un O"

Oldenburg / Cloppenburg / Visbek Man, war ich aufgeregt.
Unsere Fiona Kayser von der Grundschule Etzhorn hatte den ersten Preis beim Stadtentscheid gewonnen und sie gehörte zu den 35 von etwa 4000 Kindern, die nun bei der Oldenburgischen Landschaft erneut antreten sollten. Es ging um den Bezirksentscheid der plattdeutschen Abschlusslesung des 27. plattdeutschen und saterfriesischen Lesewettbewerbs des Oldenburger Landes. Eine "Oskar" Verleihung für das Vorlesen Plattdeutscher Geschichten. Dieses Gefühl wurde den Vorlesern vermittelt. Die Kinder, die hier vorlesen durften, waren bereits alle kleine Sieger. 
Fiona gehörte zu den acht Kindern der dritten Klassen, die im Oldenburger Landtag vorlesen durften. Ich habe die Kinder bewundert. Selbstbewusst lasen sie ihre Geschichten vor und dabei ist ihnen die plattdeutsche Sprache nicht in die Wiege gelegt worden. Betonung und Gestik stimmten, meine Klassenlehrerin hätte vor 60 Jahren darüber ihre wahre Freude empfunden. Leider, leider gab es damals für diese Sprache keine Unterstützung. Im Gegenteil, man vermied sie, es sollte keine Vermischung mit der Hochdeutschen Sprache geben. Sie war den Leuten auf dem Lande vorbehalten und es wurde die Nase gerümpft, wenn die Grammatik nicht stimmte.

Hildegard Tölke aus Lohne gehörte der Jury der 3. Klassen an. Sie ist Autorin vieler plattdeutscher Kurzgeschichten und war sehr gerührt als zwei von ihr geschriebene Geschichten vorgetragen wurden. "Opa sit in Rollstuhl" und "Langewil in dai Ferien".

"Un ik, Irmtraut, heff so bi mi dacht, dat Goode bi dai Plattdütsch is jo, dat dai Rechtschreibung son bäten no Gehör geiht. Wat kann man dorbi an Fehlers insporen! Kien Arger, kiene dicken roen Strich im Schoolheft".  

Frau Germaid Eilers-Dörfler erinnerte sich ebenfalls an eine Begebenheit ihrer Kinderzeit. In Obenstrohe bei Varel aufgewachsen, war der erste Tag nach ihrer Einschulung deprimierend. Sie verstand die Sprache nicht, sie kam aus einem Elternhaus in dem "Platt" gesnakt wurde und entsetzt berichtete sie ihrer Mutter:"Dor gor ik nich woller hän, dor snakt dai Lüe inglisch". In "Bowenstrohe" (up Platt), dor wö dat äben anners.
Auch Herr Langer, Mitarbeiter der ältesten Sparkasse der Welt, unserer LZO, ist der plattdeutschen Sprache mächtig. Er meinte sogar, auf Platt kann man viel besser schimpfen und Dampf ablassen. Es klingt deftig und kraftvoll, doch nicht böse, die Worte sind nur ein bisschen geschmeidiger. 

Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, ehrte die Kinder, die diese wunderbare Sprache lernen und bewahren wollen. In der "Herzkammer", im früheren Plenarsaal des Oldenburger Landtages, fand die Veranstaltung und Verleihung der Urkunden statt. Er erinnerte an den Erbgroßherzog von Oldenburg, der die Sprache beherrschte und darum zu seinen Untertanen immer den richtigen Ton fand. Seit 50 Jahren gibt es den Lesewettbewerb in Niedersachsen. Platt ist cool, es ist eine Sprache auf die man "bannig" stolz sein kann. Plattdeutsch vermittelt das Gefühl der Zusammengehörigkeit, sie zeigt die Verbundenheit zur Heimat.
Kossendey bedankte sich auch bei den Eltern die diese Aktion unterstützen, bei den Lehrern die sehr viel Mehrarbeit übernehmen, bei den Großeltern die sich mit den Kindern in dieser Sprache unterhalten können und sie pflegen. Und ihm fiel Stefan Meyer von der Oldenburgischen Landschaft ein. Stefan Meyer ist Beauftragter für die Plattdeutsche Sprache und 1989 gewann er ebenfalls beim Lesewettbewerb, er bekam jedenfalls eine Urkunde. 

Gottseidank ging das "Geschnacke" endlich zu Ende. Die Kinder waren unruhig geworden, sie wollten endlich die Namen der Siegerinnen/er wissen. Jantje Pavel, GS Feldbreite in Rastede, gewann den 2. Platz. Unsere Fiona erzielte einen tollen 4. Platz. Die anderen Kinder wohnen weiter von Oldenburg entfernt. Hude, Varel, Visbek und Elsfleth. Das Glück leuchtete Fiona aus den Augen.

Wir, der Bürgerverein Etzhorn, die Grundschule Etzhorn, alle Lehrer und Mitschüler sind sehr stolz auf dich. Vielleicht wird dir diese Sprache einmal so vertraut sein, liebe Fiona, dass du sie gerne sprichst und viele Mitstreiter findest und ihr eines Tages die "Etzhorner Plattsnakers" seid.

Leserkommentare (0)

Melden Sie sich bitte an um einen Kommentar abzugeben.
Passwort vergessen

Artikel schreiben



Bitte warten...
Schon registriert?
Melden Sie sich hier an! Passwort vergessen Anmelden
Noch nicht mit dabei?
Registrieren Sie sich hier! Registrieren

Feedback

Sie haben einen Fehler entdeckt oder einen Verbesserungsvorschlag? Schreiben Sie uns!

Suchen in der N@chbarschaft

Die Autorin