Mittwoch, 21. November 2018, 11:08 Uhr
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Lassen Sie uns wachsam sein!

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Volkstrauertag

Oldenburg / Rastede / Wardenburg Die diesjährige Ansprache zur Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages in der Grundschule Etzhorn, die wechselseitig vom Bürgerverein Etzhorn und dem Schützenverein Etzhorn ausgerichtet wird, wurde von den Etzhornern Frank Mühlenstedt und den Schülern Joost Fooken und Frerk Nickel (beide 12. Klasse Altes Gymnasium Oldenburg) geprägt.

Frank Mühlenstedt hob die Bedeutung dieses Gedenktages hervor und erinnerte, dass „auch unsere Zeit durch viele Veränderungen geprägt ist. Über Jahrzehnte gewohnte politische Mehrheiten schwinden dahin, die Parteienlandschaft wandelt sich. Und in vielen Ländern Europas sind Populisten an der Macht oder kurz davor. Die agieren häufig nach dem Motto –Früher war alles besser- und ihre Vorstellungen könnte man mit einem –Zurück in die Zukunft- zusammenfassen.“ 

Die beiden Schüler stellten das Schicksal von zwei gefallenen Soldaten (Hermann Naumann und John Richard Dunford) aus dem 1. Weltkrieg heraus. Die beiden Schicksale zeigten, wie zwei einfache Männer, die in ihrem Zivilleben vermutlich niemals jemanden etwas zuleide getan hätten und sich niemals begegnet wären, in eine Situation gebracht wurden in der sie getötet haben und letztlich selbst getötet wurden. 

Die Großmutter von Frank Mühlenstedt war die Schwester von Hermann Naumann. Bei dem Versuch, die Todesumstände von Hermann Naumann aufzuklären, stieß Frank Mühlenstedt 2007 über das Internet auf Dorothy Mountford, die Enkelin von John Richard Dunford. Die Familien trafen sich 2007 und 2017 zweimal in Ypern, jeweils um 6 Uhr morgens an der Stelle, wo genau 90 bzw. 100 Jahre zuvor das Leben von Hermann und John gewaltsam beendet worden war. 

Die drei Vortragenden appellierten in der Gedenkstunde, wachsam zu sein, dass man in einigen Jahren nicht derer gedenken muss, die uns am wichtigsten sein sollten, unseren Kindern und Kindeskindern. Auch sollten wir wachsam sein, dass die Schalthebel der Macht nicht in die Hände von Populisten, Hasardeuren und weltanschaulichen Extremisten fallen, die unter Vorgabe dem Volk zu dienen lediglich ihre Machtgelüste ausleben oder materielle Vorteile genießen wollen. Wir sollten auch wachsam sein, denn auf waffenklirrenden Patriotismus folgen zwangsläufig das staatliche Gedenken und das verborgene unendliche Leid der Hinterbliebenen. Und schließlich müssen wir wachsam sein, denn wer, von der Freiheit verwöhnt, in der Demokratie schläft in der Diktatur aufwacht und dann ist wieder alles möglich. 

Insofern erhielt das Gedenken am Volkstrauertag einen in die Zukunft gerichteten Sinn.

Autor Gustav Backhuß-Büsing, Bürgerverein Etzhorn
Fotos Heike Dexter, Bürgerverein Etzhorn

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