Donnerstag, 30. November 2017, 13:52 Uhr
Senioren

Aktion "Fit im Auto" Elchtest für Senioren

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Einfädeln, Schulterblick, Vollbremsung – alles kein Problem, denken viele ältere Autofahrer. Ein Selbstversuch 53 Jahre nach der Führerscheinprüfung.

Bad Zwischenahn / Westerstede / Rastede „So dann Fahren Sie mal los“, sagt der Fahrlehrer Jan de Buhr neben mir. „Den Sitz und die Spiegel haben Sie ja schon eingestellt.“ Das klappt noch ohne Herzklopfen. Beim Einlegen des Fahrhebels im Automatikwagen setzt aber prompt eine gewisse Nervosität ein. Bloß nichts anmerken lassen, denke ich. Das Einfädeln auf die Fahrbahn geht einigermaßen reibungslos vonstatten, etwas entspannter lasse ich den Wagen rollen. Offenbar zu entspannt. Schon nach der dritten Abbiegung brummt Dieter Meinen „30“, vom Rücksitz. „Was, wo? 30-er Zone! „Mist“, fluche ich in mich hinein, der erste grobe Schnitzer.

Prüfungsstress? Ganz schön anstrengend, diese freiwillige Neuauflage einer Fahrschulfahrt. 53 Jahre, nachdem ich meinen Führerschein erworben habe. Unfallfrei seitdem, ohne Fahrverbot, ohne Punkte, nur ab und zu mal ein Bußgeld wegen Parken und Geschwindigkeit. "Ich bin ein guter und sicherer Fahrer nach eigener Einschätzung“ sagt Klaus-Peter Tuchscherer Vorsitzender des Seniorenbeirats Bad Zwischenahn, der heute zusammen mit Prof. Dr. Michael Albani hier teilnimmt.

Nun aber sitzt ein echter Experte neben mir. Die halbstündige Testtour  in Oldenburg Eversten gehört zum Programm des Senioren-Seminars „Fit im Auto“, zu dem ich mich gemeinsam mit elf älteren Herrschaften im Alter zwischen 65 und 79 Jahren angemeldet habe.

Und auch mich lässt die sachliche Kritik des aktiven Fahrlehrers nicht kalt. Blinker bei der abbiegenden Vorfahrt vergessen. Vor allem aber: „Die Tempo-30- Zone hatte ich nicht erkannt“.  

Im Gegensatz zu Frankreich, Dänemark oder Italien schreibt Deutschland bislang keine regelmäßigen Fahrtests ab einem bestimmten Alter vor. Dabei gelten über 75-Jährige neben den Fahrern von 18 bis 21 statistisch gesehen inzwischen als Hochrisikogruppe. Bei 75 Prozent der Unfälle, an denen sie beteiligt sind, tragen sie die Hauptschuld. Und in Zukunft wird es immer mehr ältere Autofahrer geben.

Längst sind auch hierzulande Zwangskontrollen im Gespräch. „Fit im Auto“, das 2015 von der Landesverkehrswacht Niedersachsens entwickelte Programm, will das Fahren für Senioren sicherer machen, auf freiwilliger Basis und für 30 Euro. Städte und Landkreise sowie Verkehrswacht und Sponsoren subventionieren die Seminare, an denen landesweit jährlich 1800 Personen teilnehmen – Tendenz steigend.

So wie die nette Hildburg S., die vor mir dran war und die es härter trifft. „Sie sind noch rechts abgebogen als die Ampel schon auf Rot war“, bekommt sie freundlich gesagt. Dennoch bewertet sie ihre Vorstellung selbst als „eigentlich ganz gut“.

Konsequenzen müssen die Teilnehmer des freiwilligen Trainingsprogramms nicht befürchten. „Den Führerschein will Ihnen hier keiner wegnehmen“, sagt Polizeioberkommissar Blaser gleich zu Beginn in seiner theoretischen Einführung über Verkehrsregeln, Unfallrisiken, Fahrerflucht und Schadensmeldungen. „Diese Fortbildung muss Spaß machen, sonst ergibt es keinen Sinn.“ Um Selbstreflexion und Tipps gehe es, weniger um Regelkunde.

Die Leitung des kleinen Fahrsicherheitstrainings hat der nach den Richtlinien des DVR ausgebildete Fahrsicherheitstrainer Marco Brückner übernommen.  Er stellt Erfahrung und Routine älterer Autofahrer deren möglichen Defiziten gegenüber. Das löst in der Runde eine muntere und mitunter sehr ehrliche Diskussion über die eigenen Probleme aus, etwa bei Dunkelheit, auf der Autobahn oder nach der Einnahme von Medikamenten.

Den Spaß gibt es draußen auf dem ehemaligen Flugplatz der Bundeswehr in Oldenburg.  Marco Brückner, hat mit roten Pylonen einen kleinen Übungsparcours aufgebaut. Bevor die Teilnehmer dort den ersten Meter mit ihren eigenen Fahrzeugen absolvieren, erklärt er das korrekte Anlegen des Gurtes und die richtige Fahrerposition. „Bequem kann ich zuhause auf dem Sofa sitzen, im Auto muss ich sicher sitzen.“

Eine richtige Vollbremsung will gelernt sein!

Dann bittet Marco Brückner zum Bremsen, zum echten Bremsen. „Was Sie am Anfang nicht voll reinnageln, holen Sie nie wieder auf“, sagt er den Teilnehmern. Auf Tempo 50 bis 60 beschleunigen, dann auf Brückners Handzeichen mit voller Wucht aufs Pedal treten, bis dieses spür- und hörbar klackert. „Im echten Verkehr haben Sie nur einen Versuch. Und der muss passen.“

Alle Teilnehmer bekommen ihre Erfolgserlebnisse. „Das hätte ich nie gedacht, dass man so reintreten kann“, freut sich die Golf-Fahrerin über das ganz neue Brems-Gefühl. „Jetzt bin ich besser gewappnet“, sagt auch der Ford Besitzer. Und er kriegt vom Üben gar nicht genug „Darf ich noch mal?“

Zum Abschluss gibt es von den Fahrlehrern ein Resümee und vom Fahrsicherheitstrainer für jeden eine Teilnahmebestätigung:

„Fit im Auto“ . eine Initiative für sicheres Autofahren

Das Seminar umfasst in 5 Zeitstunden die Inhalte:

·         Aktuelle Änderungen der STVO

·         Fahrtraining (Übungsplatz)

·         Gemeinsame Ausfahrt (Realverkehr)

Die nächsten Termine auf dem ehemaligen Fliegerhorst Gelände in Oldenburg sind bereits ausgebucht. Wir erwarten in kürze zusätzliche Termine für 2018.

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